Klein ist spitze
Hier der Stolz der Blaublüter, derer von Sachsen-Coburg, dort der Stolz der mittelhessischen Bürgerschaft, die ihren Musentempel einst selbst finanzierte: Weiter auseinander können Gründungsakte und Tradition kaum liegen. Viel Selbstbewusstsein tanken Coburg und Gießen aus ihrer Vergangenheit, auch weil sie sich heute gegen die Dickschiffe der Szene behaupten müssen – und dabei Saison für Saison zu erstaunlichen Ergebnissen kommen. Die Gemeinsamkeiten sind also doch größer, als man der Historie auf den ersten Blick entnehmen mag. Bis hin zu den aktuellen Generalmusikdirektoren.
Beide Häuser leisten sich mit Roland Kluttig (Coburg) und Michael Hofstetter (Gießen) zwei Fremdgeher. Dirigenten, die seit Jahren in fester, glücklicher Beziehung mit ihrem Haus leben, sich aber immer wieder Seitensprünge mit prominenten Opernbräuten gönnen. Und das Beste: Die Affären sind sogar erwünscht.
Kluttig, seit 2010 in Coburg Chef und mit weithin beachteten Gastspielen in Nizza, Frankfurt, Mannheim («Böse Geister» von Adriana Hölszky) oder zuletzt in der grandiosen Stuttgarter «Salome» präsent, ist ins Amt mehr oder weniger überraschend gekommen. Vielleicht gerade weil der 48-Jährige nach eigenem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Porträt, Seite 60
von Markus Thiel
Gioachino Rossinis eigene Aussagen über seine «Ermione» wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Einmal bezeichnete er das 1819 für Neapel geschriebene Werk als seinen «kleinen italienischen Wilhelm Tell», dessen Zeit wohl erst nach seinem Tod kommen werde. Dann wiederum behauptete er gegenüber Ferdinand von Hiller, «Ermione» sei eine «sehr langweilige» Oper,...
Das Erste, was mir an ihm auffiel, war sein Blick: dunkel, brennend, forschend. Dann die Art, wie er sprach, sanft, aber mit Nachdruck. Als ich Peter Maxwell Davies Ende der 1960er-Jahre kennenlernte, ahnte ich: Das ist einer, der jedes Wort meint, das er sagt. Einer, der furchtlos ist. Tatsächlich kannte Max keine falsche Scheu. Nicht im Umgang mit den Kritikern,...
Die Trompete wimmert – zart, versehrt – im Nachhall des Schlagzeugs. Es klagt das Fagott. Erschöpfung liegt über der ersten Szene aus Volker David Kirchners neuer Oper «Gutenberg». Die Musik erinnert an die fahlen Stimmungen im Spätwerk von Dmitri Schostakowitsch, die Szene selbst – mit dem alten Johannes Gutenberg im Algesheimer Hof zu Mainz – ist ein Echo des...
