Klartext und Kinderblick

Theater, Oper, Bühne – schon für den Knaben bildeten sie die Traumwelt, die ihm den Weg ins Leben wies. Das frühe Glück in den rostenden Industrierevieren Nordenglands prägt bis heute das Selbstverständnis des Regisseurs Graham Vick – eines Künstlers, der am liebsten an die Ränder der Gesellschaft ausbricht

Mit fünf Jahren saß Graham Vick aus Birkenhead im Theater und riss die Augen auf. Der schlecht gelaunte Vater, die Flucht in die Fantasie: J. M. Barrie hatte «Peter Pan» ja direkt aus seinem Leben abgeschrieben! Mit zehn fuhr er abends allein nach Liverpool, um Stücke zu sehen. «Es waren andere Zeiten», erzählt Vick meinen hochgezogenen Augenbrauen. Mit 15 schlug er zu Hause den Takt zu «Tosca» und «Otello», sah sich schon als Dirigent. Später bewarb er sich fürs Musikstudium. Vick lacht über das Zulassungsschreiben aus Manchester: Man wisse zwar nicht, für welches Fach.

Aber er bekomme einen Platz, er werde schon was draus machen. Es waren andere Zeiten.

 

Im zweiten Jahr begann Vick Studentenproduktionen zu inszenieren. Danach ging es schnell. Als er mit 22 Jahren Rimsky-Korsakows «Snegurotschka» unter Mark Elder für die Royal Academy inszenierte, nahm ihn dessen Agentur unter Vertrag. David Pountney gab Vick einen Job an der Scottish Opera, schickte ihn mit «Opera goes round» auf entlegene Inseln und in die Highlands. Dort zwang Vick schottische Teenager in Opernrollen («Kinder sind zu einfach»), nahm mit Häftlingen Szenen durch («Von den schweren Themen des Lebens verstehen ...

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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Porträt, Seite 54
von Wiebke Roloff-Halsey