Klartext und Kinderblick
Mit fünf Jahren saß Graham Vick aus Birkenhead im Theater und riss die Augen auf. Der schlecht gelaunte Vater, die Flucht in die Fantasie: J. M. Barrie hatte «Peter Pan» ja direkt aus seinem Leben abgeschrieben! Mit zehn fuhr er abends allein nach Liverpool, um Stücke zu sehen. «Es waren andere Zeiten», erzählt Vick meinen hochgezogenen Augenbrauen. Mit 15 schlug er zu Hause den Takt zu «Tosca» und «Otello», sah sich schon als Dirigent. Später bewarb er sich fürs Musikstudium. Vick lacht über das Zulassungsschreiben aus Manchester: Man wisse zwar nicht, für welches Fach.
Aber er bekomme einen Platz, er werde schon was draus machen. Es waren andere Zeiten.
Im zweiten Jahr begann Vick Studentenproduktionen zu inszenieren. Danach ging es schnell. Als er mit 22 Jahren Rimsky-Korsakows «Snegurotschka» unter Mark Elder für die Royal Academy inszenierte, nahm ihn dessen Agentur unter Vertrag. David Pountney gab Vick einen Job an der Scottish Opera, schickte ihn mit «Opera goes round» auf entlegene Inseln und in die Highlands. Dort zwang Vick schottische Teenager in Opernrollen («Kinder sind zu einfach»), nahm mit Häftlingen Szenen durch («Von den schweren Themen des Lebens verstehen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Porträt, Seite 54
von Wiebke Roloff-Halsey
Der Investitionsrückgang öffentlicher Ausgaben infolge der deutschen Sparpolitik in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten hat bei den Theatern zu einem fatalen Sanierungsstau geführt. Etwa 80 Prozent der mehr als 300 öffentlich subventionierten Häuser gelten als sanierungsbedürftig, rund 40 Gebäude werden aktuell renoviert. Über die weiteren 1000 privaten Theater...
Das wird uns eine Leere sein», titelte kürzlich die «Süddeutsche Zeitung», als sie eine Zwischenbilanz der verheerenden Folgen des Corona-Lockdowns für die Kultur zog. Das Projektteam der Münchener Musikbiennale hat diese Leere offenbar vorausgeahnt, als sie das Programmbuchdesign für die Festivalausgabe 2020 plante – noch vor der Coronakrise. «Point of NEW Return»...
Er war der letzte Zeuge einer großen Epoche französischer Gesangskunst. 1924 im südfranzösischen Béziers geboren, erhielt Gabriel Bacquier seine Ausbildung am Pariser Conservatoire und trat 1953 am Brüsseler Théâtre de la Monnaie sein erstes festes Engagement an. 1956 wechselte er an die Pariser Opéra Comique und wurde drei Jahre später Mitglied der Opéra, deren...
