Neue Leere

Unverbindliches Spiel mit verbrauchten Zeichen: Ein Kommentar zur Münchener Biennale für neues Musiktheater

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Das wird uns eine Leere sein», titelte kürzlich die «Süddeutsche Zeitung», als sie eine Zwischenbilanz der verheerenden Folgen des Corona-Lockdowns für die Kultur zog. Das Projektteam der Münchener Musikbiennale hat diese Leere offenbar vorausgeahnt, als sie das Programmbuchdesign für die Festivalausgabe 2020 plante – noch vor der Coronakrise. «Point of NEW Return» steht als Motto in dicken roten Blockbuchstaben auf dem Titel, in verkehrter Schrift, was ihm einen leicht absurden Dreh verleiht, und mitten auf der Seite prangt ein Loch, durch das man hindurchschauen kann.

Nachdem das Festival, dessen Motto «den desolaten Zustand unserer Weltgemeinschaft» hätte spiegeln sollen, ins Wasser gefallen ist, bleibt als einzig Greifbares vorerst nur dieses Programmbuch mit seiner merkwürdigen Ikonografie.

 

Die beiden Leiter der Biennale, die Komponisten und Hochschullehrer Manos Tsangaris und Daniel Ott, haben sich wohl etwas dabei gedacht. Nur was? Dass der Punkt der «neuen Umkehr» eine Leerstelle ist? Dass das Musiktheater in die Röhre guckt? Dass Letzteres bittere Wirklichkeit  werden könnte, war natürlich nicht vorhersehbar. Aber auch ohne diesen Realitätsschock wirkt das launige Spiel ...

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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Max Nyffeler

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