Klangwerker der Schöpfung
Für Susanne Elgeti streift Dieter Schnebel noch einmal den Talar über, richtet das geteilte Beffchen des reformierten Protestanten, hebt die Arme und spricht den Segen für eine imaginäre Gemeinde. Die Kirche ist leer, der Atem geht schwer. Vom «Friede Gottes» hören jetzt nur die Regisseurin und ihr Team. Gut so?, fragt der Blick des Pfarrers a. D. Der «Friede Gottes» – er ist ein Leitwert, ein Sehnsuchtsort, der den mittlerweile 86-Jährigen seit jeher an- und umtreibt, den Theologen wie den Künstler. Etwas, das «jenseits von Zeit und Raum» wirkt.
Auftrag und Verheißung, Fernziel der Schöpfung, die der Mensch des entfesselten Kapitalismus gerade wieder einmal zu verspielen droht.
«Utopien» hat Schnebel seine letzte Arbeit für die Bühne genannt und ans Ende das große Segenswort gesetzt. Wie ein roter Faden ziehen sich Ausschnitte aus dem 2014 in München uraufgeführten «musikalischen Kammertheater» für sechs Stimmen, Statisten und Instrumentalensemble durch Elgetis sensibles Filmporträt. Es zeichnet nicht nur das Denken und Fragen eines Komponisten nach, der sich, angeregt durch John Cage, in seinen Werken intensiv mit der Physiologie der Stimme und der Materialität der Lautproduktion ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: DVD des Monats, Seite 29
von Albrecht Thiemann
Noch bis Ende 2016 bleiben die Pforten der Pariser Opéra Comique geschlossen – eine Totalrenovierung steht an. Der Komponist Marc-Olivier Dupin und sein Librettist Ivan Grinberg haben den Vorhang einfach im Internet wieder hochgehen lassen. In der Weboper «Le Mystère de l’écureuil bleu» ist das Haus an der Place Boieldieu schon frisch herausgeputzt, man fiebert...
Seit August 2007 wird in Luzern über den Bau einer Salle Modulable, eines flexiblen Raums für (neues) Musiktheater diskutiert. Die Idee geht auf Pierre Boulez zurück. Boulez, der 2004 die Lucerne Festival Academy gründete und bis kurz vor seinem Tod leitete, hatte nicht nur eine Dynamisierung der Beziehung zwischen Bühne(n) und Zuschauer im Auge, ihm ging es vor...
In Osnabrück ist der «Lohengrin» Stadtgespräch. Kein Zweifel, das kleine Stadttheater hat Wagners Oper bravourös gestemmt. Schon logistisch ist der Abend beeindruckend. Weil der Graben nicht ausreicht, ist das Orchester auf die Hinterbühne verbannt, und der auf 63 Sängerinnen und Sänger erweiterte Chor wird meist an die Seiten abgedrängt, ohne darum steif zu...
