Fruchtbare Schmerzen
Das also ist das Elysium. Diese knallbunte Skulptur, die ein bisschen nach kunstvoll zusammengedrückten Pappstreifen aussieht. Ein Dichterhimmel wohl: Choristen lümmeln darauf, durch Sonnenbrillen lesend. Sonst sieht nicht viel nach Star-Architektur aus im neuen «Orfeo» der Berliner Staatsoper – und das ist auch besser so. Nichts gegen das Gefältel.
Aber sollte ein Bühnenbild nicht Teil des Dramas sein statt Exponat?
Für die diesjährigen Festtage wollten Intendant Jürgen Flimm und Musikchef Daniel Barenboim noch einen weiteren Altmeister auf dem Besetzungszettel: Frank Gehry, der auch die Barenboim-Said-Akademie verantwortet. Intensiv betreut hat er die Produktion wohl kaum. Die Bühne entstand, verkündet etwas hilflos der Besetzungszettel, «in Kooperation mit Gehry Partners, LLP». Zum Glück geht’s meist dezenter, ja geschmackvoll zu. Die anfängliche Trauerszene beherrscht der Ofenschlund eines Krematoriums. Hoch züngeln die Flammen, Trauergäste defilieren, Euridice liegt still auf einer Bahre. Klagend knüllt Orfeo ihr Kleid. Am Ende steht er da mit einem Geigenkasten, Ascheflocken auf den Boden staubend, während Daniel Barenboim – nie hat er sich als Operndirigent so weit zurück ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff
Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...
Donizetti polarisiert: Außer wenigen eingeschworenen aficionados kennt kaum jemand mehr als dessen vier oder fünf «Longseller». Was soll man auch von einem Vielschreiber erwarten, der bisweilen an vier Opernpartituren gleichzeitig arbeitete? (Freilich wird die Frage, was man von einem Komponisten halten soll, der manchmal mehr als fünf Lieder an einem Tag schrieb,...
Die Trompete wimmert – zart, versehrt – im Nachhall des Schlagzeugs. Es klagt das Fagott. Erschöpfung liegt über der ersten Szene aus Volker David Kirchners neuer Oper «Gutenberg». Die Musik erinnert an die fahlen Stimmungen im Spätwerk von Dmitri Schostakowitsch, die Szene selbst – mit dem alten Johannes Gutenberg im Algesheimer Hof zu Mainz – ist ein Echo des...
