Singende Hohlköpfe
Was für ein Theater: im Theater. Da streiten sich auf offener Bühne die Tragischen mit den Komischen, die Lyrischen mit den Lächerlichen über die Frage, was man sehen möchte. Und sie mischen sich ein, wenn endlich die Geschichte von der «Liebe zu den drei Orangen» erzählt wird. Der hier namenlose Prinz (der in Carlo Gozzis Vorlage noch Tartaglia heißt) ist so melancholisch, als wäre er ein Zwillingsbruder von Georg Büchners Leonce. Erst die Schadenfreude muntert ihn auf.
Nur lacht er dummerweise über das Missgeschick einer bösen Zauberin, die daraufhin als Fluch seine Liebe zu den drei süßen Früchtchen weckt, von denen er dann doch nur eine, nämlich Ninetta, vernaschen kann.
Das taugt einerseits als Schnittmuster für die romantische Ironie eines Wilhelm Tieck, ist andererseits aber auch ein ziemlicher Zirkus, weshalb Regisseure die Geschichte gern in den Zirkussand setzen. Bühnenbildner Karl-Ernst Hermann war vor 14 Jahren in Hamburg nicht der Erste und nicht der Letzte, der in die Manege bat. Aber so konsequent wie jetzt in Kassel durch Gastregisseur Dominique Mentha wurde diese Clownerie wohl selten umgesetzt. Selbstverständlich residiert König Treff als Zirkusdirektor in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Rainer Wagner
Zu den beglückendsten Erfahrungen in die Jahre gekommener Musikliebhaber gehört die Begegnung mit jungen Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Kinder oder Enkel sein könnten. Die Norwegerin Mari Eriksmoen hat sich mit ihren Mozart-Auftritten im Theater an der Wien und beim Festival in Aix-en-Provence bereits einen Namen gemacht; in René Jacobs’ Einspielung der...
Es ist ein Ort der bleiernen Zeit, den die Ausstatterin Esther Bialas für Yuval Sharons Inszenierung von Peter Eötvos’ «Tri sestri» auf die Bühne der Wiener Staatsoper gebaut hat. Ein Salon, von entkräftetem Kerzenlicht beleuchtet, in dem die Stunden auf Zehenspitzen vorbeischleichen und die Tage wie Kugeln mit mattem Klang eintönig in weite, leere Gefäße fallen....
Gestern haben wir uns ein Musical angesehen. Von mir aus wär ich wohl kaum hingegangen, aber eine Freundin hat da mitgemacht. Versteht sich von selbst, dass wir nachher auch hinter die Bühne sind, um ihr vorzuschwärmen, wie sehr wir den Abend genossen hätten. Dabei war’s schrecklich. Einfach grauenhaft – zu lang, zu platt, zu schlecht gemacht. Ich wusste es, die...
