Entrückt, zeitverloren
Der Captain kratzt sich. Nervös zieht er die Finger den Arm entlang, schabt die Nägel über den Nacken. Das Publikum soll verstehen: Hier will einer aus seiner Haut. Machthunger quält ihn. König Arthur liegt im Sterben, und Königin Ginevra kann das Vakuum nicht füllen – ihre Tage verbringt sie, mit dem Schicksal hadernd, im Bett.
Ein sieches Reich entwirft die österreichische Schriftstellerin Gerhild Steinbuch in ihrem Libretto für Wolfgang Mitterers neue Oper «Marta», die jetzt in Lille uraufgeführt wurde. Es liegt ein Fluch über dem Land.
Der gesamte Nachwuchs ist einem Gemetzel zum Opfer gefallen, das an Herodes’ Kindsmord von Bethlehem erinnert. Einzig Marta konnte entkommen – dank ihrer Mutter, der Königin. Sie versteckte das Kind allerdings nicht, sondern stellte es, verzaubert in eine Puppe, in einem schwarzen Kubus aus. Seither wird Marta vom Volk als Hoffnungsträgerin verehrt.
Dies ist nur eine der gezwungenen Wendungen des Plots, die auch durch die Klassifizierung als «modernes Märchen» nicht unbedingt schlüssiger werden. Mehrere Rückblenden enthüllen das mysteriöse Beziehungsgeflecht der Protagonisten, ein Netz aus Schuld, Schweigen, Machtgier und Traumata. Der Vater von ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Mathias Nofze
Neue Musik – nur was für Extremisten, Freaks und Intellektuelle? Noch immer ist das Vorurteil weitverbreitet, doch in der Praxis haben die Aufräumarbeiten längst begonnen. Berührungsängste schwinden. Selbst Dominique Meyer, Chef der in puncto Zeitgenössisches eher verschnarchten Wiener Staatsoper, verordnet seinem Publikum mit Nachdruck neue Töne – und landet mit...
Sie gilt als eine der machtgierigsten Frauen des alten Rom: Iulia Agrippina, Tochter des Germanicus. Ein Skandal schon die Heirat mit ihrem Onkel, dem Kaiser Claudius, der die Ehe per Dekret legitimieren ließ. Um ihre Position am römischen Hof zu stärken, soll sie einige Male sogar Gift zur Hand genommen haben. Alle Mittel schienen ihr recht, um Nero, ihren Sohn...
Das erste deutsche Stadttheater stand in Ulm. 1781 wurde es eröffnet, im 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut und erweitert, doch 1944/45 verglühte das Haus im Bombenhagel. Seit 1969 residieren die Ulmer Bühnen in einem markanten Neubau von Fritz Schäfer. Deshalb kann nun das Freiberger Theater am Buttermarkt von sich behaupten, der älteste kommunale Theaterbetrieb...
