Klamauk und Klamotte
Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und Musik bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen funkelnder Ironie und bekennerischem Ernst.
Der Stoff, eine Episode aus dem Leben des Florentiner Goldschmieds und Bildhauers Cellini nach dessen Autobiografie, ist zwar historisch, von Berlioz aber prononciert auf die gesellschaftliche Rolle des Künstlers in seiner eigenen Zeit bezogen. Aggressiver, entlarvender Spott, etwa über die päpstliche Willkür, und ein emphatisch überzeichnetes künstlerisches Selbstbewusstsein verbinden sich dabei zu einer schillernden, auch musikalisch brillant unterfütterten Mixtur, die szenisch nicht leicht zu treffen ist.
Aron Stiehl hat in Münster die Flucht nach vorn angetreten und die karnevaleske Handlung in die Gegenwart verlegt. Herausgekommen ist dabei leider keine frivol-hintergründige opéra comique, sondern ein moderner Aufguss ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
Auch im Liedgesang, der «Königsklasse des Singens», wolle er sich behaupten, erklärt Jonas Kaufmann auf seiner Website. Mit seiner Aufnahme von Franz Schuberts «Die schöne Müllerin» hat er vor fünf Jahren eine imponierende tenorale Visitenkarte abgegeben, 2012 dann zum ersten Mal die «Winterreise» gesungen. Die Aufnahme mit seinem einstigen Lehrer Helmut Deutsch –...
Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper...
Stimmiger könnte der Übergang vom Wagner- zum Gluck-Jahr kaum geraten als mit einer historisch informierten Aufnahme von Christoph Willibald Glucks «Iphigenie in Aulis» in der 1847 für das Dresdner Hoftheater entstandenen Bearbeitung von Richard Wagner. Eine absolute Novität präsentiert die von Christoph Spering geleitete Produktion freilich nicht. Wagners Fassung...
