Kindertotentanz

Alban Bergs «Wozzeck» in Amsterdam, von Krzysztof Warlikowski als Totenmesse inszeniert, musikalisch durchleuchtet von Marc Albrecht

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Ein Aquarium ist ein Aquarium – ist mehr als ein Aquarium. Auf Małgorzata Szczęśniaks nach hinten aufsteigender, stark verschatteter, klaffender Bühne verwandelt es sich in einen blutgetränkten See. Mutiert zur Metapher einer katastrophischen Beziehung, der zu keiner Sekunde die Sonne schien. Mit einem Rasiermesser, das er als Barbier ohnehin bei sich führt, hat Wozzeck seiner Marie eine rote Schnur um den Hals gelegt; anschauen konnte er sie dabei nicht.

Sichtbar für uns liegt die Tote im weißen Hochzeitskleid am Fuße der Rutschbahn, im Rücken ihres Kindes (Jacob Jutte), das nun mechanisch Bauchdeckenteile eines Kunststoff-Torsos ins verschmutzte Wasser wirft – ein Menetekel, das 90 Minuten im Hintergrund thronte. Das Experiment «Mensch» ist schiefgegangen, aus dem Graben dringt mit leise-irisierender Eindringlichkeit jenes Orchesterzwischenspiel, das noch einmal alle wichtigen Bezugspersonen des Titelantihelden imaginiert: Musik, erweitert bis an die Grenzen des tonalen Feldes, Musik wie bittersüße Schokolade, die allein ihrer Tonart wegen den Charakter eines (mozartischen) Requiems trägt. Rechts vorne Wozzeck in seinem Blut. Totes Tier, das nicht mehr zuckt.

Im Grunde ist der ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten

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