Wichtige Aufführungen der Saison 2022/23
Wer Peter Konwitschnys Lesart von Wagners «Walküre» an der Oper Dortmund in der letzten Saison gesehen hatte, musste sich nun, bei der Fortsetzung des «Ring»-Zyklus mit «Siegfried», nicht mehr wundern. Die Welt ist aus den Fugen, das prekäre Verhältnis des Menschen zur Natur allzu offensichtlich in der letzten umfassenden Geschichte vom Abendland. Konwitschny nutzte diese Erkenntnis für ein pralles Bildertheater: «Das ist ein Erzählen, das sich nicht nur aus dem Wort und dem Klang, sondern auch aus den Charakteren ereignet. Keine Aktion, keine Geste wirkte hier beliebig [...
]» (OW 07/2023)
Für sein spätes Debüt als Opernregisseur hatte sich Christoph Rüping nicht eben ein leichtes Werk vorgenommen: «Il ritorno d’Ulisse in patria» von Claudio Monteverdi fordert ein enormes Gespür für die wechselhaften Beziehungen. Um den Transfer in die Moderne zu ermöglichen, nahm Rüping die Textsammlung «Das Jahr des magischen Denkens» der US-amerikanischen Schrifstellerin Joan Didion hinzu und überantwortete sie drei Schauspielern. Der Mix gelang, die Ästhetik motivierte zugleich den Inhalt: «Er liegt in der Begegnung zwischen Schauspiel und Oper, zwischen dem nackten Bühnenraum [...] und dem ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 82
von
Wir kennen diese Frau, ihr Leiden, ihre Einsamkeit. Und doch erstaunt die Drastik, mit der Barrie Kosky Katja Kabanowa in seiner Salzburger Festspiele-Inszenierung in den Vordergrund rückt und wie getrieben die Titelfigur in Janáčeks Oper ist. «Fast obsessiv rauft sich Corinne Winters (die uns, wie schon in der Genfer «Jenůfa», erneut mit ihrem enormen...
Georg Friedrich Händels «Hercules» an der Oper Frankfurt war in der Inszenierung von Barrie Kosky ein Triumph für die Sängerin Paula Murrihy als Dejanira – und für den Chor. Das liegt einerseits an Händel, der ihm eine so reflektierende, empathische, neugierige Rolle gibt, wie es einem (wenn auch opernnahen) Oratorium geziemt. Das liegt andererseits am Regisseur,...
«Stephans ernste Begabung steht außer Frage.» Das schrieb der noch keine 21 Jahre alte Theodor Wiesengrund-Adorno (der sich erst im amerikanischen Exil als Theodor W. Adorno bezeichnete) im Mai 1924 über eine Aufführung von Rudi Stephans 1913 entstandener «Musik für Geige und Orchester». Doch empfand er den im Weltkrieg Gefallenen bereits als Zeuge einer...
