Kaum versöhnt
An der «Gerechtigkeit» des Weltlaufs darf man zweifeln – zumal in der Musik mit ihren Wechselwirkungen von Ästhetischem und Sozialem: der Rezeptionsgeschichte samt ihren Irrungen und Wirrungen. So wurden bis vor 100 Jahren selbst Mozart, Haydn und Schubert eher unterschätzt, weil letztlich zu wenig bekannt. Mendelssohn indes galt als unangefochten populär, zumindest nach Maßgabe einer Synthese von Vergangenheit und Gegenwart. Schließlich habe er, so Robert Schumann 1840, «die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.
»
Diese Formel nimmt Peter Gülke als Motto für sein jüngstes Buch, in dem er sich erneut als so (er)kenntnis- wie perspektivenreicher, fabelhaft formulierender Autor erweist, der sich sehr wohl des Dilemmas bewusst ist: Mendelssohns überragende Bedeutung wider antisemitische Ressentiment-Schlacken herauszuarbeiten, gleichwohl Brüche, die mit seiner Herkunft zu tun haben, nicht zu verdrängen. Verdrängung freilich spielt bei Mendelssohn immer noch eine Rolle. So widmet ihm Dieter Borchmeyer in seinem 1055-Seiten-Werk «Was ist deutsch?» nur ein paar belanglose Worte. Dabei hätte sich gerade an ihm Essentielles über das «deutsche» 19. Jahrhundert ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Gerhard R. Koch
Ob Mozarts «Zauberflöte», Beethovens «Fidelio», Webers «Euryanthe» oder Verdis «Il trovatore» – stets war es der Librettist, der als ewiger Sündenbock der Operngeschichte für ästhetisch problematische Werke haftbar gemacht wurde. Der Geringschätzung seines Metiers entsprach die fehlende öffentliche Anerkennung und intellektuelle Auseinandersetzung. Erst der...
Wenn es um die ersten Kontakte zwischen Jazz und klassischem Musiktheater geht, ist schnell von Křeneks «Jonny spielt auf» (1927) die Rede, von Brechts und Weills «Dreigroschenoper» (1928) und «Mahagonny» (1930), in jüngerer Zeit auch von den um 1930 entstandenen Operetten Paul Abrahams. Nie Erwähnung aber findet in diesem Zusammenhang Alexander von Zemlinskys...
Hm. So sieht also das «Elysium» aus. Hätte man sich luftiger, seraphischer vorgestellt, in etwa so, wie es Wilhelm Heinse in seinem Roman «Die Insel der Glückseligen» geschildert hat, als einen Ort bacchantischer Verschlingungen. Über die leere Bühne von Rebecca Ringst jedoch, die bereits in den ersten beiden Akten aus nichts als einer kühlweißen, ziemlich weit...
