Kampf der Kulturen

David Alden und Marc Minkowski bringen in Genf Halévys «La Juive» heraus

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Seinen Kollegen Georg Wilhelm Friedrich Hegel sanft korrigierend, stellte auch Karl Marx fest, dass sich alle weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereigneten, allerdings «das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce». Mit Blick auf den Antisemitismus, seine Wiederholungen und seine grausige Radikalisierung im Massenmord des Holocaust bleibt einem die Sentenz im Halse stecken. Und doch kommt man nicht umhin, sie zu zitieren, nachdem David Alden nun in Genf «La Juive» auf die Bühne des Grand Théâtre gehievt hat.

Librettist Eugène Scribe und Komponist Fromental Halévy thematisieren in ihrer Grand opéra kurz nach der französischen Juli-Revolution von 1830 den Kampf der Kulturen zwischen jüdischer Minderheit und katholischer Mehrheitsgesellschaft. Da herrschte in Paris gerade eine eher zivilisierte Liberalität. Unter Bürgerkönig Louis-Philippe erhielten französische Juden bürgerliche Rechte. Und doch erzählen die Werkschöpfer von jener Pogromstimmung, die als unterschwellige Gewalt der Christenmenschen alsbald in brutale Lynchjustiz an ihren jüdischen Nachbarn umkippen kann. Sie verlegen die Vorgänge ins schon zu ihrer Zeit ferne Spätmittelalter des Konzils von Konstanz im Jahr ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Krause

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