Kampf der Kulturen
Seinen Kollegen Georg Wilhelm Friedrich Hegel sanft korrigierend, stellte auch Karl Marx fest, dass sich alle weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereigneten, allerdings «das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce». Mit Blick auf den Antisemitismus, seine Wiederholungen und seine grausige Radikalisierung im Massenmord des Holocaust bleibt einem die Sentenz im Halse stecken. Und doch kommt man nicht umhin, sie zu zitieren, nachdem David Alden nun in Genf «La Juive» auf die Bühne des Grand Théâtre gehievt hat.
Librettist Eugène Scribe und Komponist Fromental Halévy thematisieren in ihrer Grand opéra kurz nach der französischen Juli-Revolution von 1830 den Kampf der Kulturen zwischen jüdischer Minderheit und katholischer Mehrheitsgesellschaft. Da herrschte in Paris gerade eine eher zivilisierte Liberalität. Unter Bürgerkönig Louis-Philippe erhielten französische Juden bürgerliche Rechte. Und doch erzählen die Werkschöpfer von jener Pogromstimmung, die als unterschwellige Gewalt der Christenmenschen alsbald in brutale Lynchjustiz an ihren jüdischen Nachbarn umkippen kann. Sie verlegen die Vorgänge ins schon zu ihrer Zeit ferne Spätmittelalter des Konzils von Konstanz im Jahr ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Krause
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr...
Über Carl Dahlhaus, den führenden Musikwissenschaftler seiner Zeit, schrieb sein Freund und Studienkollege Joachim Kaiser 1989 einen bewegt-bewegenden Nachruf. Dahlhaus, heißt es da, habe «mit dem Leben gezahlt dafür, eine intellektuelle Existenz führen zu wollen – um jeden Preis». Das klingt pathetisch nur für diejenigen, die Dahlhaus nicht kannten und sein Werk...
Im April 1883 wurde «Lakmé» in der Opéra Comique aus der Taufe gehoben. Mit seitdem über 1600 Aufführungen an der «kleinen» Pariser Musikbühne zählt Léo Delibes Dreiakter zu den meistgespielten «hauseigenen» Werken der geschichtsträchtigen Institution, nach «Carmen», «Manon», «Mignon» und «La Dame blanche» (aber vor «Werther», «Les contes d’Hoffmann» und «Pelléas...
