Kabarett im TV-Format
Die französische Übersetzung des deutschen Titels klingt ungemein pompös: «Grandeur et Décadence de la ville de Mahagonny». Grandeur, Décadence, man könnte denken, es handle sich um den Untergang eines Adelsgeschlechts oder das Ende des napoleonischen Staates. Stimmt aber nicht. Am Théâtre du Capitol in Toulouse ist das bekannte Stück von Brecht und Weill zu sehen, sogar in deutscher Sprache mit französischen Übertiteln, die sehr gut zu lesen sind und liebevoll auch die Ensemble-Texte nach Personen ordnen.
Auch springt immer wieder ein Kommentator zwischen den Szenen an die Rampe und annonciert zweisprachig das jeweils Folgende. Gut gemacht.
Die Inszenierung Laurent Pellys stand vor dem Problem, vor dem alle Regisseure bei diesem Stück stehen: Wie soll ich es anstellen? Frech-fröhlich, grimmig-bösartig, verzerrt bis zur Verfratzung, obzön, historisch oder aktuell? Für alles existieren Vorbilder. Laurent Pelly schielt auf Gegenwart und Fernsehen. Herabschwebende Lichtrahmen in verschiedenen Formaten suggerieren den TV-Bildschirm. Dahinter tauchen dann die bekannten Spielszenen auf. Die Gründung der Stadt zwischen zwei Autobahnleitplanken – die Autobahn einschließlich Live-Mobil auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Rohde
Von den italienischen Komponisten, die sich im Schatten Verdis zu behaupten versuchten, ist einzig Amilcare Ponchielli im Gedächtnis der Nachwelt geblieben, und auch das nur mit einer einzigen Oper, «La Gioconda». Tüchtige Meister wie Filippo Marchetti, Carlo Coccia und Antonio Cagnoni, lange Zeit nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt, sind erst in jüngster Zeit...
Seit achtzig Jahren war Hector Berlioz’ Mammut- und Meisterwerk «Les Troyens» nicht mehr in Berlin zu erleben. Die Deutsche Oper wagt sich jetzt daran. Am Pult steht, fünf Stunden lang, Donald Runnicles, der neue Musikchef des Hauses. Das andere Mammut- und Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, «Der Ring des Nibelungen», wird derzeit an der Oper Frankfurt produziert:...
Seltsamer Fall: Auf der Jahrespressekonferenz der Komischen Oper Berlin war Intendant Andreas Homoki gefragt worden, was ihn geritten habe, ausgerechnet den prononcierten Dekonstrukteur Sebastian Baumgarten mit der Neuinszenierung des Singspiels «Im Weißen Rössl» von Ralph Benatzky zu betrauen. Prompt wurde Baumgarten zahm. Die gut aufgenommene Premiere ist nicht...
