Juwelen und Innigkeit
2005 lieferte die damals in breiten Kreisen wenig bekannte Danielle de Niese in Glyndebourne die Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» als perfekte Music-Hall-Nummer ab, tits, hips and ass, mit schnittigen Koloraturen, doch vokal insgesamt nicht so, dass man in Verzückung gefallen wäre. Dies würde, mutmaßte man, eine jener Karrieren werden, die sich einem Hören mit den Augen verdankt, was das kurz danach erschienene Händel-Recital der Sopranistin zu bestätigen schien.
De Niese freilich, wach, klug, lernbegierig, für die das Festival in Glyndebourne künstlerisch wie privat (sie heiratete später dessen Chairman Gus Christie) zum Wendepunkt wurde, war mit den Resultaten offenbar selbst nicht zufrieden. Auf jeden Fall zeigt sie in ihrem neuen, wieder dem Barock gewidmeten Recital (Decca) mit «Schmankerln» von Bach, Händel, Monteverdi, Pergolesi, Purcell ein deutlich souveräneres vokales Gesicht als damals. Auch bei Händel: In «Let the bright Seraphim» aus «Samson» gewinnt sie den Hörer durch Klarheit in Formulierung und einen weit souveräneren Umgang mit den Koloraturen (die auf der Händel-Platte noch recht eng klangen); zwar lässt sie die übliche Kadenz am Schluss weg, doch hat sie in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 52
von Gerhard Persché
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl...
Was für ein verrückter Festspielssommer. Übergänge prägen ihn – und Diffusitäten. Europas drei wichtigste Opernfestivals liegen diesbezüglich vorne. Anfang und Innovation sind überall gewollt. Doch die Selbstverortung ist schwieriger denn je. Können Festspiele überhaupt noch Perspektiven öffnen? Oft in diesem Sommer dachte man: Alles läuft. Aber nichts geht.
Stichwo...
52. Jahrgang Nr. 9/10
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752235
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.kultiversum.de/Opernwelt
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 12.08. 2011.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
