Juwelen und Innigkeit
2005 lieferte die damals in breiten Kreisen wenig bekannte Danielle de Niese in Glyndebourne die Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» als perfekte Music-Hall-Nummer ab, tits, hips and ass, mit schnittigen Koloraturen, doch vokal insgesamt nicht so, dass man in Verzückung gefallen wäre. Dies würde, mutmaßte man, eine jener Karrieren werden, die sich einem Hören mit den Augen verdankt, was das kurz danach erschienene Händel-Recital der Sopranistin zu bestätigen schien.
De Niese freilich, wach, klug, lernbegierig, für die das Festival in Glyndebourne künstlerisch wie privat (sie heiratete später dessen Chairman Gus Christie) zum Wendepunkt wurde, war mit den Resultaten offenbar selbst nicht zufrieden. Auf jeden Fall zeigt sie in ihrem neuen, wieder dem Barock gewidmeten Recital (Decca) mit «Schmankerln» von Bach, Händel, Monteverdi, Pergolesi, Purcell ein deutlich souveräneres vokales Gesicht als damals. Auch bei Händel: In «Let the bright Seraphim» aus «Samson» gewinnt sie den Hörer durch Klarheit in Formulierung und einen weit souveräneren Umgang mit den Koloraturen (die auf der Händel-Platte noch recht eng klangen); zwar lässt sie die übliche Kadenz am Schluss weg, doch hat sie in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 52
von Gerhard Persché
So viel Moderne war lange nicht mehr in Salzburg. Markus Hinterhäuser, dem Musikerintendanten für einen Sommer, wurde im Vorfeld übel mitgespielt. Der Erfolg des Sommers 2011 ist sein persönlicher Triumph. Dazu gehört eine Rückbesinnung auf Nonos «Prometeo» und das postdramatische Musiktheater; Janáceks «Die Sache Makropulos», von Christoph Marthaler mit einer...
Der Bodensee ist eine Badewanne. Aber nicht irgendeine. Sondern gleich die berühmteste Wanne der politischen Geschichte. Kein Geringerer als Jean-Paul Marat sitzt hier, jener erst als Publizist der Schlächter wütende, dann zur Milde neigende Volkstribun, den am 13. Juli 1793 die fromme und friedliebende normannische Jungfrau Marie Charlotte Corday d’Armont in...
Mein lieber Schwan! Eigentlich taucht das Federvieh in Wagners «Lohengrin» erst gegen Mitte des ersten Akts auf. In Roman Hovenbitzers Inszenierung für das finnische Opernfestival in Savonlinna hat es seinen ersten Auftritt schon vor der Ouvertüre. Ein kleiner Junge hantiert an einem Wasserbecken mit einem Spielzeugschwan, und als nach längerem stummen Spiel das...
