Groteske mit Handbremse
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche Raubtiere in feinem bis schrägem Zwirn sehen wir, aber weder Schnurrhaare noch Fell. Hans Werner Henzes «Die englische Katze» wird hier alles Tierische ausgetrieben. Der Mehrwert: eher begrenzt.
Auf Samtpfoten schleicht sich die Bayerische Staatsoper mit dieser Premiere in die Saison. Im Nationaltheater musste während der verlängerten Sommerpause einiges renoviert werden, damit das Haus bis in die 2030er-Jahre durchhält – dann wird für eine Großsanierung alles für mehrere Jahre geschlossen. Das Ensemble nutzte den Sommer für eine Asien-Tournee. Fürs Eröffnungskonzert der Spielzeit wich man in eine Sporthalle aus, für die erste Neuinszenierung ins kleine Cuvilliéstheater.
Bei Henze durfte das Opernstudio in den Rokoko-Ring. Und der Nachwuchs machte seine Sache ausgesprochen gut. Die Besetzungsliste ist bei der «Englischen ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Schon lange ist das Grabsingen an der letzten Ruhestätte Wagners hinter «Wahnfried» Tradition. Alljährlich versammelt sich dort der Bayreuther Festspielchor zu Festivalbeginn. Wagners Grab stellt der Regisseur Manuel Schmitt nun im «Lohengrin» auf die Bühne. Dort spielt sich ein Prozess ab – in einem von Kriegsschäden gezeichneten Gerichtsgebäude. Das Verfahren um...
Ambroise Thomas (1811–1896) hielt es mit der Weltliteratur. Seine beiden einstigen Erfolgsopern «Mignon» (1866) und «Hamlet» (1868), denen man inzwischen auf der Bühne kaum mehr begegnet, wagten sich an Goethe und Shakespeare. Aber bereits für die 1857 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführte «Psyché» plünderten die Librettisten Jules Barbier und Michel Carré das...
In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden,...
