Groteske mit Handbremse
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche Raubtiere in feinem bis schrägem Zwirn sehen wir, aber weder Schnurrhaare noch Fell. Hans Werner Henzes «Die englische Katze» wird hier alles Tierische ausgetrieben. Der Mehrwert: eher begrenzt.
Auf Samtpfoten schleicht sich die Bayerische Staatsoper mit dieser Premiere in die Saison. Im Nationaltheater musste während der verlängerten Sommerpause einiges renoviert werden, damit das Haus bis in die 2030er-Jahre durchhält – dann wird für eine Großsanierung alles für mehrere Jahre geschlossen. Das Ensemble nutzte den Sommer für eine Asien-Tournee. Fürs Eröffnungskonzert der Spielzeit wich man in eine Sporthalle aus, für die erste Neuinszenierung ins kleine Cuvilliéstheater.
Bei Henze durfte das Opernstudio in den Rokoko-Ring. Und der Nachwuchs machte seine Sache ausgesprochen gut. Die Besetzungsliste ist bei der «Englischen ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam. Der wesentliche...
Jubilare
Nach ersten Erfahrungen in der Zarzuela-Truppe seines Vaters debütierte Plácido Domingo, der am 21. Januar seinen 85. Geburtstag feiert (über sein tatsächliches Geburtsjahr gibt es gleichwohl unterschiedliche Angaben), als 20-Jähriger in Mexico City als Alfredo. Ein Jahr später, 1962, wurde er Mitglied der Oper in Tel Aviv, dort blieb er drei Spielzeiten,...
