Groteske mit Handbremse

Henze: Die englische Katze MÜNCHEN | BAYERISCHE STAATSOPER

Opernwelt - Logo

Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche Raubtiere in feinem bis schrägem Zwirn sehen wir, aber weder Schnurrhaare noch Fell. Hans Werner Henzes «Die englische Katze» wird hier alles Tierische ausgetrieben. Der Mehrwert: eher begrenzt.

Auf Samtpfoten schleicht sich die Bayerische Staatsoper mit dieser Premiere in die Saison. Im Nationaltheater musste während der verlängerten Sommerpause einiges renoviert werden, damit das Haus bis in die 2030er-Jahre durchhält – dann wird für eine Großsanierung alles für mehrere Jahre geschlossen. Das Ensemble nutzte den Sommer für eine Asien-Tournee. Fürs Eröffnungskonzert der Spielzeit wich man in eine Sporthalle aus, für die erste Neuinszenierung ins kleine Cuvilliéstheater.

Bei Henze durfte das Opernstudio in den Rokoko-Ring. Und der Nachwuchs machte seine Sache ausgesprochen gut. Die Besetzungsliste ist bei der «Englischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Gottes Werk und Teufels Beitrag

In Dikanka ist der Teufel los. Aber nicht nur der. Auch eine Hexe, im bürgerlichen Leben die vielbegehrte Hausfrau Solocha, treibt ihr Unwesen. Und weil sich beide Naturen verbünden, gehen in dem ukrainischen Dorf bald sämtliche Lichter aus. Der Teufel, ein durchtriebener Schlingel (man vermutet, er könne Deutscher sein mit seiner sich fortwährend bewegenden,...

Trage Trauer, Natur!

Die Tonart verheißt wenig Gutes. Gevatter Tod blinzelt sardonisch grinsend um die Ecke, und nach nur vier Takten des Préludes ist der Absolutismus der Wirklichkeit einfach nicht mehr fortzudenken. Mehr und schlimmer noch: Er hat auf ganzer Linie gesiegt. Anders lässt sich der Gang der harmonischen Dinge zu Beginn von Massenets «Werther» kaum interpretieren: Von der...

Opera rara

Sie war das, was man gemeinhin eine schillernde, im wahrsten physiognomischen Sinne imposante Gestalt nennt: Caterina Cornaro, Kunstmäzenin, Intellektuelle, Humanistin und – notgedrungen, zunächst als Gattin Jakob II. von Lusignan und danach als dessen Witwe – letzte Königin von Zypern. Vita und Werk dieser außergewöhnlichen Renaissance-Herrscherin, die 1454, als...