Jubel und Betroffenheit
Ein tödlicher Zusammenbruch Giacomo Puccinis bei «Nessun dorma», ein ähnlich letaler Moment Carl Maria von Webers während des Jägerchors, das wären vergleichbare Geschehnisse. Wir wissen: Nichts davon ist passiert. Auch nicht der Exitus des in Ekstase geratenen Alexander Borodin während seiner berühmtesten Nummer, der «Polowetzer Tänze». Für bange Sekunden werden die Tänze hier unterbrochen, bis der erschrockene Kollege Rimski-Korsakow alle zum Weitermachen auffordert.
Stück und Biographie als Überblendung, auch als gegenseitige Bedingung; der Komponist als Protagonist seines Werks: Nicht unbedingt neu ist dieser Kniff. Am Gärtnerplatztheater, bei «Fürst Igor», entfaltet er starke Suggestivkraft und hilft zugleich, das auseinanderstrebende Werk zu kitten.
Borodin, mit 53 Jahren auf einem Faschingsball an einem «Herzriss» gestorben, konnte sein Opus summum nicht vollenden. Nikolai Rimski-Korsakow und Alexander Glasunow führten das Werk fort, sie sind hier zusammen mit dem um Musik Ringenden als stumme Figuren ständig präsent. Regisseur Roland Schwab verlegt das Stück in Borodins St. Petersburger Salon. Zur Ouvertüre werden Tische mit Glaskolben und dampfenden Flüssigkeiten ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel
Dass seine einzige vollendete Oper mehr als ein Jahrhundert später eine derartige Brisanz entfalten würde, hätte sich Paul Dukas wohl kaum träumen lassen. Bis heute stellt «Ariane et Barbe-Bleue» der modernen Gesellschaft eine überaus präzise Diagnose. Das beweist Àlex Ollés Inszenierung am Teatro Real, die gnadenlos die Fassade von Gleichberechtigung und Wohlstand...
Oft sind es Standardsätze. Stereotype, die aufrichtig gemeint sein mögen, aber irgendwie doch nach Pflichterfüllung klingen. An seinem Todesdatum, es war der 17. Februar, und noch Tage danach schien es allerdings, als halte die Opernwelt den Atem an, nachzulesen nicht zuletzt auf Social Media. «He never left my heart», postete etwa Nathalie Stutzmann. «A giant of...
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb...
