Jenseits des Dogmas
Immer wieder stellt sich die Frage, wann und wo man am liebsten gelebt hätte. Die klassische «Rückwärts-Utopie» ist die Folge: natürlich in der Vergangenheit – im alten Athen oder antiken Rom, im heilen Mittelalter, im prächtigen Rokoko oder in der heimeligen Romantik. Geschichte verheißt Schutz vor den Krisen der Gegenwart. Schon in die jüngere Vergangenheit zieht es die wenigsten.
Dabei würde selbst die Nachkriegszeit genügend Anlass zum freudigen Eintauchen in die Musik geben, zumal in die damals neue, von totalitären Regimes gering geschätzte, wenn nicht bekämpfte Musik: Komponisten wie Messiaen, Varèse, die Darmstädter Avantgarde, Boulez, Nono, Stockhausen belebten die Szene, aus Amerika kam die Musik von Ives und Cage, die Fluxus-Bewegung, aus Polen zudem neues Kino und Theater. Die zentrale Lage des «Wirtschaftswunderlandes» BRD förderte vor Ort die Internationalität. Darmstadt und Donaueschingen, die Kasseler «Documenta» wurden zu Zentren der ästhetischen Moderne. Ligeti wie Kagel zog es nach Köln, wo der großmächtige WDR zur Zentrale des Fortschritts wurde. Dass die Staaten des «real existierenden Sozialismus», dass auch die außereuropäischen Kulturen eine geringere Rolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Luciano Berio und Cathy Berberian, Seite 90
von Gerhard R. Koch
Für eine Gesamtaufnahme von Modest Mussorgskis «Boris Godunow» suchte Walter Legge, der umtriebige, einflussreiche Produzent der EMI, im Jahr 1952 einen Tenor für die Partie des Grigori, der nicht nur sehr gut singen, sondern auch perfekt Russisch sprechen sollte. Seine Wahl fiel auf den jungen Nicolai Gedda, der gerade als Chapelou in Adams «Postillon von...
Silvia Adler
DARMSTADT
Opernwelt
1. Die Oper Frankfurt
2. Nicholas Brownlee; Jana Baumeister; Alyona Rostovskaya
3. Nadja Loschky mit ihrer Inszenierung von Alban Bergs «Lulu» an der Oper Frankfurt, die kompromisslos in menschliche Abgründe leuchtet und gleichzeitig Bilder von irisierender Schönheit hervorbringt
4. Thomas Guggeis, insbesondere für Alban Bergs...
Solche Abende gibt es. Selten. Aber es gibt sie. Man sitzt an einem heißen Frühsommertag in einem Opernhaus oder, wie im vorliegenden Fall, in einem ehemaligen Straßenbahn-Betriebshof, blickt gespannt auf die Bühne – und wird dann buchstäblich übermannt. Eine Stimme erklingt, und im gleichen Moment hat man sowohl die aberwitzigen Temperaturen als auch alle Sorgen...
