Jedes Wort muss sitzen
Herr Steffens, warum wollen Musiker Dirigent werden?
Das Angebot an großen Dirigenten ist dünner geworden. Das werden sicher alle Kollegen so bestätigen. Natürlich gibt es auch jetzt noch wunderbare Künstler. Doch wenn ich bedenke, wen ich erlebt habe, als ich 1989 beim Symphonieorchester des BR anfing: Rafael Kubelik, Carlo Maria Giulini, Leonard Bernstein, Carlos Kleiber und so weiter – da hatte ich ein Kribbeln am ganzen Körper, wenn diese Männer aufs Podium kamen, da kam mir niemals die Idee, ich müsse Dirigent werden.
Wenn das Angebot von vorne aber nicht mehr so zwingend ist, wenn die Maestri ausbleiben, die diesen Biss, diesen unbedingten Willen zum Ausdruck haben, dann versuchen eben einige Musiker, es selbst besser zu machen.
Sie sind zum Jahresende 2007 bei den Berliner Philharmonikern ausgestiegen. Wie kam dieser Entschluss zustande?
Ich wollte eigentlich schon als Kind Dirigent werden, habe mir als Zwölfjähriger vom Taschengeld meine ersten Partituren gekauft. Dann aber hatte ich als Klarinettist sehr früh Erfolg, war in Kassel und Frankfurt an der Oper, habe geheiratet, ging zum BR, hatte zwei Kinder, kam zu den Philharmonikern. Da war ich arriviert als Instrumentalist, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Warum Instrumentalisten Dirigenten werden
Kürzlich wurden in Athen Pläne für ein nationales Prestigeprojekt vorgestellt: Renzo Piano wird das neue Kulturzentrum der «Stavros Niarchos Stiftung» in Athen bauen. Der italienische Star-Architekt hatte sich in einem mehr als einjährigen Evaluierungsverfahren gegen seine Konkurrenten aus aller Welt durchgesetzt. In dem Gebäude soll neben der griechischen...
Die Realität von Janáceks «schwarzer» Oper – eine der finstersten der an düsteren Werken gar nicht so armen Operngeschichte des 20. Jahrhunderts – verweigert sich jedem theatralischen Realismus. Was hier in pausenlosen hundert Minuten auf die Sinne des Zuschauers und -hörers einstürmt, ist weniger die ungeschönte Brutalität der Handlung als die körperhafte Präsenz...
Der Herbst neigt zum Winter, alles wird fein, klein, kühl. Gehirn und Anschauung, Behaglichkeit der Erinnerung. So beschrieb Oskar Bie die Stimmungslage von Verdis «Falstaff». Nostalgische Behaglichkeit dieser Art suggeriert auch der Bühnenvorhang, der den Zuschauer beim Betreten des Auditoriums im Festspielhaus zu Glyndebourne empfängt: das Städtchen...
