Kreuzstich und Ironie

Verdis „Falstaff” in Glyndebourne

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Der Herbst neigt zum Winter, alles wird fein, klein, kühl. Gehirn und Anschauung, Behaglichkeit der Erinnerung. So beschrieb Oskar Bie die Stimmungslage von Verdis «Falstaff». Nostalgische Behaglichkeit dieser Art suggeriert auch der Bühnenvorhang, der den Zuschauer beim Betreten des Auditoriums im Festspielhaus zu Glyndebourne empfängt: das Städtchen Windsor-upon-Thames als Postkartenidylle in Form einer den Bühnenrahmen füllenden Stickerei wie ein riesiges Zierpolster. Regisseur Richard Jones wickelt das Stück quasi als TV-Vorabendserie ab, angesiedelt in den 1940er, 1950er Jahren.

Very British, vielleicht ein bisschen zu sehr, bedenkt man das recht italienische Temperament der Musik.
Apropos: Während Puccini in Glyndebourne immer als der Latin Lover angesehen wurde, mit dem man im Urlaub eine Affäre hat, der aber zu Hause niemals zum Tee gebeten würde (gerade mal «La Bohème», «Manon Lescaut» und «Gianni Schicchi» spielte man in den letzten vier Jahrzehnten), schien Verdi glücklicher: Immerhin sieben seiner Opern führte dieses Festival in den nunmehr 75 Jahren des Bestehens im Programm; die Schlüsselposition dabei hat «Falstaff» mit vier Neuinszenierungen. In der jüngsten sehen ...

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Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Persché

Vergriffen
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