Glanz und Elend eines Bauherrn
München hat eine neue Opernformel: Under construction. Staatsopernintendant Nikolaus Bachler gab für seine ersten Festspiele eine Devise aus, die bis in die neue «Lohengrin»-Inszenierung hinüberschwappte. Sie will nach Auskunft des Hauses die schlichte Tatsache als Idee verbreiten, «dass die Kunstform Oper beständig dem Wandel unterworfen ist und immer neu befragt werden muss, also ihrem Wesen nach mit jeder Inszenierung, jeder Aufführung ‹under construction› ist».
Ein eigens errichtetes Zelt auf dem Marstallplatz direkt hinter dem Staatsoperngebäude war zehn Tage lang der Ort für, wie es offiziell hieß, «eine Vielzahl diskursiver und performativer Veranstaltungen».
Bachlers Ehrgeiz ist auch bei seinen ersten Opernfestspielen ersichtlich: Ein Festival als Großevent soll es sein, womit der ehemalige Wiener Burgtheaterchef mit den umliegenden Luxusfestivals zumindest in der Ausstrahlung gleichziehen möchte. Zum ersten Mal wurde eine Festspielpremiere live auf den Münchner Opernplatz übertragen, derweil im National-
theater die illustren Premierengäste aus Politik, Wirtschaft und Medien den gewünschten Glanz verbreiteten.
Gleich zwei Opernpremieren im Abstand von zwei Tagen bestätigten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös. Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum...
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...
