Italienische Moderne in Thüringen

Erfurt, Testi: Mariana Pineda/La brocca rotta

Opernwelt - Logo

Die fünfte Spielzeit, die das Theater Erfurt in seinem hochmodernen Opernquader eröffnete, soll eine «ita­lienische» werden. Das klingt nicht sprühend originell. Die erste Inszenierung der Saison war dann aber doch eine Überraschung. In einer Doppelvorstellung sind zwei Einakter des italienischen Komponisten Flavio Testi zu erleben. Das damit verbundene Wagnis ist nicht gering. Zwar war man in Thüringens Landeshauptstadt in den letzten Jahren um Zeitgenössisches nicht verlegen.

Doch für die beiden bisher größten Uraufführungen – Peter Aderholds «Luther» (2003) und Philip Glass’ «Waiting for the Barbarians» (2005) – konnte sich das Marketing des Hauses auf die Griffigkeit von Persönlichkeiten und Themen verlassen. Nun also zwei Literaturopern eines vierundachtzigjährigen italienischen Linksintellektuellen, mit dessen Lebenswelt das Erfurter Opernpublikum ungefähr so viel verbindet wie Rudi Dutschke mit dem Leipziger Gewandhaus. Kann das gut gehen?
Es kann, dank eines universellen Humanismus, der von Testi in beiden Stücken ohne tendenziöse politische Attitüde vorgetragen wird. Die Vorlage der Erfurter Uraufführung «Mariana Pineda» ist das gleichnamige Drama Fernando García Lorcas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wiederbelebungsversuch

Einst war Franz von Suppés «Fatinitza» (1876) mit 1200 Aufführungen allein in Wien ein Renner. 1904/05 schaffte sie es an den Broadway – allerdings nur einen Monat lang: 34 Aufführungen. Suppés «Komische Oper» (der Volksmund hat sich angewöhnt, die Spezies «Operette» zu nennen – die kleine Oper des zu Wohlstand gekommenen Kleinen Mannes, der sich mit seinen...

Kistenweisheit

Man darf skeptisch sein, wenn Regisseure eine Holzkis­te auf die Bühne stemmen. Besonders im Schauspiel soll das heißen: Wir spielen hier aus dem Theaterkarren heraus – Molière und Mutter Courage lassen grüßen. In Hannover gibt es jetzt in der Neuinszenierung von Brittens «Peter Grimes» nicht nur eine Kiste, sondern fünfhundertdreiundzwanzig (nach Auskunft des...

Im Dickicht der Klangfülle

Die Inszenierung von Giorgio Battistellis «Prova d’orchestra» am Stadttheater Bern stellt bereits die siebte Neuproduktion dieses mittlerweile zwölf Jahre alten Werks dar. Weitere sind geplant. Was macht das Stück derart populär? Ist es Fellinis bildmächtiger Film aus dem Jahr 1978 oder die oft illustrative Zugänglichkeit von Battistellis Musik? Für den neuen...