Beethoven: Fidelio
Wie schon 1907 zur Einweihung und 1953 zur Nachkriegswiedereröffnung dient Beethovens Hymnus auf die Gattenliebe den Kielern auch diesmal, zur Feier des hundertjährigen Bestehens ihres Opernhauses, als Festoper – obwohl die finale Utopie des Werks für Dominik Neuner, wie er das Publikum mit einem in Sekt- und Partylaune endenden Schlussbild unmissverständlich wissen lässt, nur noch als Anlass für ein oberflächliches gesellschaftliches Event zu taugen scheint.
Abgesehen von dieser Szene gelingen dem Regisseur innerhalb seiner insgesamt gemäßigt traditionellen Inszenierung nachdenkenswerte Akzente, vor allem durch die Aufwertung der Figur der Marzelline. Sie wird mit ihrer privaten Tragödie, mit ihrer gefühlsverwirrten Verzweiflung (Susan Gouthro weiß das ebenso anrührend zu singen wie variantenreich zu spielen) zum eigentlichen Mittelpunkt der Handlung, während andere Aspekte des Stückes, etwa eine auf der Kontrastierung von Pizarro und Leonore aufbauende politische Sichtweise, eher in den Hintergrund treten.
Was nicht zuletzt auch an den beiden Darstellern liegt. Jooil Choi zieht das Klischee des brutalen Oberbösewichts ab und röhrt sich durch die Partie mit undisziplinierter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er kam, strahlte und siegte», schrieb die «Frankfurter Rundschau» im Juli 2006. Die Rede ist von dem neuen Osnabrücker Intendanten Holger Schultze, der seit seinem Amtsantritt im September 2005 ein wahres Theaterfieber entfacht hat. Osnabrück, am Rand des Teutoburger Waldes im südwestlichen Zipfel Niedersachsens gelegen, gehört zu den kulturellen Mauerblümchen...
Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt...
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
