Italianità brasilianisch
Sambafieber erwartet man in einer brasilianischen Oper des späten 19. Jahrhunderts vergebens. Mestizische Leidenschaften werden ein gutes halbes Jahrhundert später in Epen, Romanen und Gedichten von Rosa, Amado oder Andrade beschworen, ein wenig früher bereits in der immensen Musikproduktion von Heitor Villa-Lobos.
Kunstmusikalisch orientiert sich der riesige Subkontinent bis heute an Europa und überspringt damit womöglich mehr oder minder eine Phase nationalkultureller Selbstbewusstwerdung, die – in Ländern wie Tschechien und Ungarn, in Russland, in Skandinavien – vor Längerem oder auch noch vor Kurzem (Finnland) zu bemerkenswerten Blüten führte.
Für das 1836 geborene Musiktalent Carlos Gomes aus Brasilien war es klar, sich auf dem alten Kontinent Opern-Lorbeeren zu erwerben – nein, nicht im bescheidenen Mutterland Portugal, sondern gleich an den italienischen Quellen dieser Kunst. Zwei seiner belcantistischen Bühnenwerke wurden sogar an der Mailänder Scala uraufgeführt, darunter «Il Guarany», Gomes’ bekanntestes Stück. «Lo schiavo», eine seiner letzten Opern, kam dagegen nach seiner Rückkehr in die Heimat in Rio de Janeiro heraus. Einziges deutschsprachiges Theater, das dieses ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
«…um Ihren Namen dreht sich die ganze Geschichte der Musik seit 10 Jahren, und bey jedem Musiker, den man jetzt zu besprechen hat, wird man unwillkürlich auf die Frage gerathen in welchem Verhältniß er zu der Meyerbeerschen Musik gestellt ist oder sich gestellt hat.» Heinrich Heines briefliche Bemerkung von 1842 gegenüber Giacomo Meyerbeer ist keine Schmeichelei,...
Um Heinrich Sutermeister (1910-1996) ist es still geworden. Dabei war der Schweizer in den 40er, 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein bekannter Komponist, dessen Oper «Romeo und Julia» (uraufgeführt 1940 unter Karl Böhm in Dresden, mit Maria Cebotari und alternierend Christel Goltz in der weiblichen Titelrolle) damals über zahlreiche Bühnen ging, und...
Es ist ein gewaltiger Sprung, den sich Agneta Eichenholz mit ihrer Alcina zutraut: Von der Lulu, mit der sie vor knapp zwei Jahren an Covent Garden den internationalen Durchbruch feierte, zu Händels Zauberin zu wechseln, heißt vom Opfer zur Täterin werden, von der Kindfrau zum männerverzehrenden Vamp. Dass die Schwedin auch das Format für die reife Femme fatale...
