Interview
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist nach dem Brüsseler «Parsifal» von 2011 die zweite Oper, die Sie inszenieren. Warum haben Sie sich erst so spät dieser Gattung zugewandt?
Unter allen Gattungen empfinde ich die Oper am stärksten als rückwärtsgewandt und konservativ. Sie stellt eine Welt ohne Sauerstoff dar, die in erstickender Weise an eine bestimmte Vorstellung von Repertoire gefesselt ist. Man kann Oper inszenieren, aber nur an ausgewählten Orten. Es erfordert einen grundsätzlichen Glauben an die Regie.
Wir müssen ein Werk in die Gegenwart tragen, anstatt zu rekonstruieren und zu restaurieren – sonst wird die Oper zu einem Mausoleum.
In einem Interview nannte Festwochen-Intendant Markus Hinterhäuser Ihren «Orfeo» das mit Abstand schwierigste Projekt, für das er jemals verantwortlich gewesen sei.
Die größte Herausforderung bestand darin, zu beurteilen, ob die Idee, eine Komapatientin in dieser Weise zu zeigen, ethisch überhaupt vertretbar ist. Dies war nur durch zahllose Gespräche möglich – mit Experten, Ärzten, der Familie und schließlich auch mit der Patientin selbst.
Wie ging die Kommunikation mit der Patientin vonstatten?
In erster Linie über die Eltern. Die Patientin befindet ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lena Drazić & Juri Giannini
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugelgestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert. Das...
Die Grenzen dessen, was Singen sein kann, zieht der landläufige Opernbetrieb eher eng. Wer abseits der europäischen Hochkultur erfahren will, was außerhalb Europas oder außerhalb der Kunst als schöner oder ausdrucksvoller Gesang gilt, konnte in den vergangenen Jahren bei den Internationalen Festspielen in Bergen mitreißende Erfahrungen machen. An der norwegischen...
«Robert le diable» ist die erste der vier grand opéras von Giacomo Meyerbeer. Wer von der Aufführung an der Londoner Covent Garden Opera den Durchbruch dieses bei seiner Pariser Uraufführung 1831 sensationell erfolgreichen Werks für das heutige Repertoire erhofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht (siehe OW 2/2013). Zuvörderst, weil die Möglichkeiten, die die...
