Den roten Zahlen zum Trotz

Ob Comédie-Française, Odéon oder die Opernhäuser, ob Chaillot – Théâtre national de la Danse oder Crazy Horse – in Paris wird bereits die Zukunft nach dem Corona-GAU durchgespielt. Im Kopf, im Netz, am Telefon. «Raus aus dem Elfenbeinturm», lautet die Devise

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Paris, nach der Apokalypse. Ein humanoider Roboter spielt in der Pariser Garnier-Oper den Hauswart und mehr. Er putzt und fegt, staubt Büsten ab, stimmt einen Flügel ... Am Abend setzt er sich in den Saal. Zückt eine Fernbedienung. Das Hologramm einer Tänzerin flackert auf der Bühne auf. Zu den Klängen einer Geisterballade schwebt die danseuse étoile Amandine Albisson über die Bretter. Peu à peu werden ihre Bewegungen rarer, die Gesichtszüge ernster. Langsam schreitet sie auf die Rampe zu, scheint sprechen zu wollen.

Doch der Roboter nötigt sie mit einem Druck auf die Rückspultaste, den Tanz wiederaufzunehmen. Auf seiner mattglänzenden Plastikstirn, zwischen den starren Fotoaugen, verschwimmt die Reflexion der Ballerina zu einem fahlen Flämmchen.

Zu sehen ist diese dystopische Zukunftsvision nicht in der Kristallkugel, sondern in einem Kurzfilm mit dem Titel «L’Entretien» («Die Instandhaltung»). Ugo Bienvenu und Félix de Givry haben ihn für «3e Scène» gedreht, die digitale «dritte Bühne» der Pariser Nationaloper. Er gehört zu den aktuellen  der mittlerweile 59 Filme auf dieser 2015 etablierten Plattform; sein Inhalt tritt auf beklemmende Art und Weise in Resonanz mit dem ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Focus Paris, Seite 16
von Marc Zitzmann

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