Intensitäten

Das Musikfest Berlin zieht eine Linie von der Spätromantik bis zu Bernd Alois Zimmermann

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Wie groß die Macht des Heiligen sei? Wir wissen es nicht. Dass sie aber in weiten Teilen der westlichen Welt als zumindest gebrochen erscheint, ist, wie es Hans Joas in seiner gleichlautenden Studie beschreibt, als Zeitdiagnose nicht allzu gewagt – die Wirklichkeit, wie auch immer sie angeschaut wird, lügt kaum. Aber, und das ist das Schöne: Man kann ihr entkommen, indem man ausweicht ins mythisch-religiöse Feld, dorthin, wo Erlösung noch ohne pejorative Kontextualisierung auskommt.

Wie etwa in Stockhausens «Inori», das neben Abel Gances Stummfilm «J’accuse» mit der Musik von Philippe Schoeller ein Lichtpunkt des Musikfests Berlin war. Oder beispielsweise bei Richard Wagner, insbesondere in seinem «Parsifal».

Anlässlich des kleinen Wagner-Jubiläums 2003 hatte Claudio Abbado – dem Vorbild des Meisters folgend – Auszüge aus dem dritten Akt des Bühnenweihfestspiels zu einer Suite gebündelt und sie mit dem Vorspiel zum ersten Aufzug kombiniert. Beim diesjährigen Musikfest war es Robin Ticciati vorbehalten, diesen «Readers Digest» mit seinem Deutschen Symphonie-Orchester vorzustellen, in einer fein ausgehörten, transparenten, zugleich verdichteten Interpretation, die das ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jürgen Otten

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