Ins Offene, Freunde
Vera Nemirovas lebhafte und detailreiche Frankfurter «Ring»-Interpretation ist sicher ein gewichtiger Grund dafür, dass geplante Gesamtaufführungen auf Anhieb für ein ausverkauftes Haus sorgten. Und zwar, bevor mit «Götterdämmerung» überhaupt der Schluss des Unternehmens erreicht war. Dieses Finale versetzte die bisher virtuos kompilierte, nach der gewitzten Dramaturgen-Devise «aus jedem Dorf ein Hund» angelegte Szenografie nun doch noch in eine andere Kategorie.
Man kann es ungeschützt und emphatisch sagen: Mit der «Götterdämmerung» rückt diese Arbeit unter die bedeutenden Ereignisse der neueren Wagner-Rezeption ein.
Rasch lässt sich resümieren, was auf dem Niveau des Bisherigen auch auf der letzten tetralogischen Wegstrecke geleistet wurde: Munterkeit im Badewannen-Liebesidyll Brünnhilde/ Siegfried; der blondschöpfige Held dann auch in der Gibichungen-Zivilisation als Waldschrat, der die Bedeutung von Sesseln oder Bierflaschen nicht kennt; die vertrauten Wendungen ins Gruslige, hier in den zwielichtig-brutalen Passagen des ersten Aktschlusses; die forcierten Peinlichkeiten bei Brünnhildens Auftreten als Braut; die drastische Anmache der kahnfahrenden Rheintöchter (nicht nur ...
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Fast exakt zehn Jahre ist das Trauma her, damals, beim letzten «Ring»-Versuch. Nur wenige Wochen nach der «Rheingold»-Premiere im Februar 2002 starb Regisseur Herbert Wernicke. Er hinterließ der Bayerischen Staatsoper ein monumentales Einheitsbühnenbild (den Zuschauerraum von Bayreuths Festspielhaus) und ein paar dürftige Konzeptnotizen. Zu wenig für eine...
Frau Larmore, warum werden Ihre Rollen plötzlich böse?
Es war fällig. Aber ich bin fast sicher, dass ich mit mehr grauen Haaren als jetzt daraus hervorgehen werde.
Vor allem bedeutet die Rolle der Küsterin einen Fachwechsel!?
Ich sehe es eher so, dass ich meinen bisherigen Rollen eine neue hinzufüge. Dass die Küsterin funktioniert, hat mich übrigens gar nicht so...
Katastrophal. Man hört dieses Wort oft, wenn man derzeit mit Theaterleuten in Mecklenburg-Vorpommern spricht. Zu oft, um es als Jammerruf oder Panikmache empfindlicher Künstlerseelen abzuhaken. Es sieht tatsächlich nicht gut aus für die Bühnen zwischen Stralsund und Greifswald, Schwerin und Rostock, Neubrandenburg und Anklam. Anfang der neunziger Jahre hat das Land...
