Dolch aus dem Gewande
Ein kahl rasierter Schädel. Die Stirn leuchtet kalt. Stechende Augen, schwarz gerändert. Ein Blick, der töten könnte. Hinten lodert es goldgelb. Wo ich bin, suggeriert das angeschnittene Gesicht auf dem Programmheft des Staatstheaters Braunschweig, da brennt die Luft. Wer mir zu nahe kommt, dem kocht das Blut in den Adern über. Cardillac ist in Klaus Weises (aus Bonn übernommener) Hindemith-Inszenierung ein dämonischer Jedermann, ein Archetyp des genialischen Künstlers, der mit dunklen Mächten im Bunde steht und für seine Preziosen über Leichen geht.
In schwarzer Lederkluft treibt er sein teuflisches Spiel. Und das Paris von Louis XIV., in dem Librettist Ferdinand Lion die Handlung frei nach E. T. A. Hoffmanns Novelle «Das Fräulein Scuderi» spielen lässt, hat hier (anders als Hindemiths Partitur) weniger mit der Welt des Barock und Rokoko als mit den Architekturen des expressionistischen deutschen Films und mit der Entstehungszeit des «Cardillac» (UA 1926) zu tun.
Variable Treppen und Türen, die den Guckkasten füllen, ein klaustrophobischer Einheitsraum in Nachtschwarz und Feldgrau – Bühnenbildner Martin Kukulies hat sehr genau bei Georg Wilhelm Pabst, Friedrich Wilhelm Murnau und ...
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Ein Knall, ein Fall. Als man den Einschlag einer Bombe hört, rauscht der vor dem Orchestergraben hochgezogene Vorhang zu Boden und enthüllt den Besuchern im Parkett, was die in den oberen Rängen, für die das Tuch nicht die ganze Bühne verhüllte, schon wussten: dass das Orchester bei diesem «Nabucco» sich oben befindet, auf einer Tribüne über einer länglichen Box....
Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem...
Bis vor wenigen Jahren war sie noch auf der Bühne aktiv, und wer weiß, ob sie, die wir anlässlich ihres 75. Geburtstags als «komödiantisches Urgestein» gewürdigt haben, nicht noch einmal dorthin zurückkehrt. Mit dem Theater ist sie aufgewachsen, im Theater hat sie mehr als ein halbes Jahrhundert gewirkt. Dabei hat die Stimme in 57 Bühnenjahren diverse...
