Blaubart der Meere

Basel, Wagner: Der fliegende Holländer

Opernwelt - Logo

Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem Erfolg. 

Aufs Ouvertürenmotiv genau schleicht sich die junge Senta in die – erstaunlich umfangreiche – Bibliothek ihres Vaters Daland.

Den Kerzenleuchter in der Hand, greift sie sich zielsicher einen Folianten und verliert sich in der Sage vom «Fliegenden Holländer»: ein Fall von Realitätsflucht, hinein ins erträumte Idealdasein einer schwärmerischen Kinderseele. In der Bücherwand ein gewaltiger Bilderrahmen: Gischt darin, Felsbuckel – ein Seestück. Dahinein bohrt sich in Sentas Fantasie der Holländer-Segler, schrundig, verwittert, wie aus gehärtetem Schlamm gefügt (Bühne: Stölzl und Conrad Reinhardt). Dem Kind verwischen sich die Ebenen. Die Gestalten der Meeressphäre dringen in den schummrig beleuchteten Salon ein. Der anfangs kaum zu ortende Holländer – eine (Traum-) Abspaltung von Sentas Vater Daland? 

Vom zweiten Akt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Exil für eine populäre Gattung

 Es ist nicht überliefert, ob Giuseppe Verdi Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» gekannt hat, die zur Zeit der Arbeit am «Falstaff» erstmalig auf italienischen Spielplänen erschien. Dennoch sind die We­ge der beiden Komponisten auf merkwürdige Weise miteinander verbunden. Beide begannen ihre Laufbahn als Opernkomponis­ten im gleichen Jahr 1839 in...

Herbstfarben

Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten. Die zur...

Tödliches Schweigen

Der belgische Komponist Philipp Boesmans (Jahrgang 1936) hält unerschütterlich an der traditionellen Literaturoper fest. Raumklang, Klangtheater, Hör-Stücke, womit viele aktuelle Komponisten bevorzugt experimentieren, interessieren Boesmans nicht. Er braucht ein gutes Theaterstück, aus dem sich ein operngerechtes Libretto herstellen lässt. Solche Stücke hießen bei...