Blaubart der Meere
Die fast schon verbindliche Richtung der «Holländer»-Deutung geht im Wesentlichen auf Joachim Herz’ kühne Berliner Inszenierung zurück, die von Harry Kupfer 1978 in Bayreuth aufgegriffen wurde. In die Phalanx der diversen Erben und Nutznießer reihte sich nun in Basel auch der Video-Clipper und «Nordwand»-Filmer Philipp Stölzl ein – mit nicht unbeträchtlichem Erfolg.
Aufs Ouvertürenmotiv genau schleicht sich die junge Senta in die – erstaunlich umfangreiche – Bibliothek ihres Vaters Daland.
Den Kerzenleuchter in der Hand, greift sie sich zielsicher einen Folianten und verliert sich in der Sage vom «Fliegenden Holländer»: ein Fall von Realitätsflucht, hinein ins erträumte Idealdasein einer schwärmerischen Kinderseele. In der Bücherwand ein gewaltiger Bilderrahmen: Gischt darin, Felsbuckel – ein Seestück. Dahinein bohrt sich in Sentas Fantasie der Holländer-Segler, schrundig, verwittert, wie aus gehärtetem Schlamm gefügt (Bühne: Stölzl und Conrad Reinhardt). Dem Kind verwischen sich die Ebenen. Die Gestalten der Meeressphäre dringen in den schummrig beleuchteten Salon ein. Der anfangs kaum zu ortende Holländer – eine (Traum-) Abspaltung von Sentas Vater Daland?
Vom zweiten Akt ...
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