«Da gibt es noch Luft nach oben»

Neue Stücke haben es schwer auf den Opernbühnen dieser Welt. Was die Frage provoziert, ob das zeitgenössische Musiktheater auch ein Musiktheater für Zeitgenossen ist. Ein «Opernwelt»-Jahrbuch-Podium mit dem Dirigenten Titus Engel, der Regisseurin Eva-Maria Höckmayr, dem Komponisten Gordon Kampe und der Sängerin Sarah Maria Sun

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Jürgen Otten: Meine Damen, meine Herren, wie die Welt von gestern geklungen hat, das wissen wir durch Stefan Zweigs wunderbare Betrachtungen gleichen Namens. Wie aber klingt die Welt von heute? Klingt sie dissonanter? Disharmonischer? Und wenn ja, wohin wäre die Harmonie der Welt entwichen?
Gordon Kampe: Mein Gott – Harmonie! Jedes Stück hat ja ohnehin eine Harmonie, und jede Oper sucht sich zudem ihre eigene. Wenn die Dur-Moll-Tonalität gemeint ist … ja, in den letzten Bühnenwerken kommen auch ganz «normale» Harmonien vor.

Für mich bedeutet es die Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, die solche Harmonien vielleicht schon einmal gehört haben; ich habe da keine Berührungsängste mehr, im Gegenteil. Manche Geräuschtextur klingt mir mittlerweile fast älter.

Titus Engel: Auch mein Gefühl ist, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit im Musiktheater zahlreiche Projekte eine Energie und eine Wärme in der Harmonik aufwiesen und bei Weitem nicht so schroff gewesen sind, wie dies noch zehn, fünfzehn Jahre zuvor der Fall war, als das Musiktheater häufig die Geste des Abweisenden besaß und man den Eindruck gewinnen musste, dass die Komponisten im Elfenbeinturm wohnen und mehr oder ...

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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Zeitgenössisches Musiktheater, Seite 100
von Jürgen Otten

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