«Da gibt es noch Luft nach oben»
Jürgen Otten: Meine Damen, meine Herren, wie die Welt von gestern geklungen hat, das wissen wir durch Stefan Zweigs wunderbare Betrachtungen gleichen Namens. Wie aber klingt die Welt von heute? Klingt sie dissonanter? Disharmonischer? Und wenn ja, wohin wäre die Harmonie der Welt entwichen?
Gordon Kampe: Mein Gott – Harmonie! Jedes Stück hat ja ohnehin eine Harmonie, und jede Oper sucht sich zudem ihre eigene. Wenn die Dur-Moll-Tonalität gemeint ist … ja, in den letzten Bühnenwerken kommen auch ganz «normale» Harmonien vor.
Für mich bedeutet es die Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, die solche Harmonien vielleicht schon einmal gehört haben; ich habe da keine Berührungsängste mehr, im Gegenteil. Manche Geräuschtextur klingt mir mittlerweile fast älter.
Titus Engel: Auch mein Gefühl ist, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit im Musiktheater zahlreiche Projekte eine Energie und eine Wärme in der Harmonik aufwiesen und bei Weitem nicht so schroff gewesen sind, wie dies noch zehn, fünfzehn Jahre zuvor der Fall war, als das Musiktheater häufig die Geste des Abweisenden besaß und man den Eindruck gewinnen musste, dass die Komponisten im Elfenbeinturm wohnen und mehr oder ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Zeitgenössisches Musiktheater, Seite 100
von Jürgen Otten
Silvia Adler
DARMSTADT
Opernwelt
1. Die Oper Frankfurt
2. Nicholas Brownlee; Jana Baumeister; Alyona Rostovskaya
3. Nadja Loschky mit ihrer Inszenierung von Alban Bergs «Lulu» an der Oper Frankfurt, die kompromisslos in menschliche Abgründe leuchtet und gleichzeitig Bilder von irisierender Schönheit hervorbringt
4. Thomas Guggeis, insbesondere für Alban Bergs...
Man stelle sich das für eine Weltsekunde mal vor: Das Ende der Geschichte wäre da. Alexandre Kojève lässt es nur ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einer nachträglich hinzugefügten Fußnote seines gleichnamigen Buchs – Summe sämtlicher Hegel-Vorlesungen des russisch-französischen Philosophen zwischen 1933 und 1939 an der Ecole pratique des hautes études –...
Unter den zahllosen sonderlichen Gestalten in Dostojewskis Romanen ist er, neben dem fieberrasenden Rodion Romanowitsch Raskolnikow, vermutlich die sonderlichste. Ein Ritter von der traurigen (modernen) Gestalt, mitfühlend und verträumt, weltfremd wie menschenzugewandt, ein Philanthrop mit erkennbarem Hang (und der angeborenen Fähigkeit) zu Agape und Philia, somit...
