«Da gibt es noch Luft nach oben»
Jürgen Otten: Meine Damen, meine Herren, wie die Welt von gestern geklungen hat, das wissen wir durch Stefan Zweigs wunderbare Betrachtungen gleichen Namens. Wie aber klingt die Welt von heute? Klingt sie dissonanter? Disharmonischer? Und wenn ja, wohin wäre die Harmonie der Welt entwichen?
Gordon Kampe: Mein Gott – Harmonie! Jedes Stück hat ja ohnehin eine Harmonie, und jede Oper sucht sich zudem ihre eigene. Wenn die Dur-Moll-Tonalität gemeint ist … ja, in den letzten Bühnenwerken kommen auch ganz «normale» Harmonien vor.
Für mich bedeutet es die Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, die solche Harmonien vielleicht schon einmal gehört haben; ich habe da keine Berührungsängste mehr, im Gegenteil. Manche Geräuschtextur klingt mir mittlerweile fast älter.
Titus Engel: Auch mein Gefühl ist, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit im Musiktheater zahlreiche Projekte eine Energie und eine Wärme in der Harmonik aufwiesen und bei Weitem nicht so schroff gewesen sind, wie dies noch zehn, fünfzehn Jahre zuvor der Fall war, als das Musiktheater häufig die Geste des Abweisenden besaß und man den Eindruck gewinnen musste, dass die Komponisten im Elfenbeinturm wohnen und mehr oder ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Zeitgenössisches Musiktheater, Seite 100
von Jürgen Otten
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Das sind Bilder und Töne, die im Gedächtnis bleiben: Wie der Chor der Komischen Oper Berlin in Philip Glass’ «Aknathen» die Macht des ägyptischen Volkes verkörpert, das gegen die Willkür seines Herrschers Echnaton zurückschlägt. Bedrohlich sind die Klänge, die sich in den rhythmischen und motivischen Wiederholungen von Glass’ Musik immer weiter aufschaukeln, immer...
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