In der Summe flach
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus Rezitativ und Arie sowie der Vorliebe für virtuose Schnörkel verabschiedet.
«Orfeo ed Euridice» ist daher ungleich leichter zu inszenieren als die statischen Bühnenwerke des Barock, schließlich müssen keine endlosen Da-capo-Arien mehr gefüllt werden. Und doch schlagen viele Opernregisseure einen Bogen darum. Choreographen dagegen lieben das mit langen Balletteinlagen gespickte Opus; einigen von ihnen gelangen in den letzten Jahrzehnten höchst eindrucksvollste Lesarten – Größen wie John Neumeier, Joachim Schlömer und vor allem Pina Bausch, deren wegweisende Wuppertaler Produktion von 1975 Gerard Mortier 30 Jahre später an die Pariser Oper holte, wo sie lange Zeit mit überwältigendem Erfolg gespielt wurde.
Die Latte lag also hoch für Giuseppe Spota, den scheidenden Ballettchef des Musiktheaters im Revier, der in der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
Gluck, so der Dirigent Ian Page im Booklet zu Ann Hallenbergs Recital, «ist einer der am meisten vernachlässigten und unterschätzten großen Komponisten, dessen Namen man häufiger in Büchern als in der Oper oder im Konzertsaal begegnet». Abseits der bekannteren Reformopern, muss man ergänzen, sogar so gut wie nie. Hallenbergs Gluck-Album ist ein Ereignis, weil es...
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in...
