Fesselndes Hörtheater
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne Menschen aus Fleisch und Blut zu.
Was wir hören, ist ein exzentrisches Spiel der Emotionen und Egoismen, keine steife Opera seria im Stil des Hochbarock mit einer Endlosschleife von Da-Capo-Arien, sondern ein musikalisiertes Schauspiel, in dem das recitar cantando, ein Deklamieren zwischen Rezitation und Singen, den Ton bestimmt. Der geht über das gewöhnliche Sprechen hinaus und verbleibt doch unterhalb des Gesangs.
Ausgangspunkt für den Dirigenten Stéphane Fuget ist nicht mehr der klassische Belcanto, nicht der «schöne», sondern der charakteristische Gesang, der sich nicht an die sklavische Wiedergabe der Noten hält, sondern das Wort über den Ton stellt. Und das in einer Radikalität, deren Konsequenz zunächst verblüfft, dann überzeugt und schließlich in ihrer Wirkung fast vier Stunden trägt, die das Stück hier in ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 32
von Uwe Schweikert
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
Frau Horáková, Sie sind nicht nur Regisseurin, sondern auch ausgebildete Sängerin. Singen Sie manchmal noch? Sehr selten. Wenn die Laune gut ist und ich Fahrrad fahre, dann kann es vorkommen, dass ich noch einmal ein bisschen «Carmen» singe. Sonst aber kaum mehr, nicht einmal mehr unter der Dusche. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich probe, dass ich nicht selbst...
In welcher Weise an diesen Uomo universale erinnern? Wie ihm in der Vielfalt seiner Begabungen und Betätigungen gerecht werden? Benjamin Appl, einer der letzten Schüler Dietrich Fischer-Dieskaus und ihm über mehrere Jahre hinweg verbunden, hat eine charmante Idee: die Vielseitigkeit seines Lehrers einfach zum Programm zu machen. So ist das Buch mit CD, das als...
