Fesselndes Hörtheater
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne Menschen aus Fleisch und Blut zu.
Was wir hören, ist ein exzentrisches Spiel der Emotionen und Egoismen, keine steife Opera seria im Stil des Hochbarock mit einer Endlosschleife von Da-Capo-Arien, sondern ein musikalisiertes Schauspiel, in dem das recitar cantando, ein Deklamieren zwischen Rezitation und Singen, den Ton bestimmt. Der geht über das gewöhnliche Sprechen hinaus und verbleibt doch unterhalb des Gesangs.
Ausgangspunkt für den Dirigenten Stéphane Fuget ist nicht mehr der klassische Belcanto, nicht der «schöne», sondern der charakteristische Gesang, der sich nicht an die sklavische Wiedergabe der Noten hält, sondern das Wort über den Ton stellt. Und das in einer Radikalität, deren Konsequenz zunächst verblüfft, dann überzeugt und schließlich in ihrer Wirkung fast vier Stunden trägt, die das Stück hier in ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 32
von Uwe Schweikert
Aus Romanen kennt man die verräterische Versicherung: «Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.» Bloß keine Schadensersatzforderungen, alles garantiert fiktiv! Eine ähnliche Schutzbehauptung würde heute wohl auch der Oper «La libertà contenta» (Die zufriedene Freiheit) von 1693 vorausgehen, dem siebten Gemeinschaftswerk des Komponisten und Diplomaten...
Wie fang’ ich nach der Regel an?» – so wohl mochte sich Fulvio Adamo Macciardi mit den Worten des Walther von Stolzing gefragt haben, als er seine erste Spielzeit als Intendant des Teatro di San Carlo plante. Schließlich war der Berufung des Kulturmanagers an das Traditionshaus in Neapel eine auch für italienische Verhältnisse ungewöhnlich chaotische Politposse...
Der Marquise de Pompadour, geborene Jeanne-Antoinette Poisson, von 1745 bis 1761 Maîtresse-en-titre Louis XV und spätere Duchesse de Menard, wird jenes lakonisch-zynische Bonmot zugewiesen, das noch heute vielen Menschen aus dem Mund herausplumpst, wenn irgendetwas krachend schief gegangen ist: «Après nous le déluge», zu Deutsch: Nach mir die Sintflut. Selbiges...
