Fesselndes Hörtheater
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne Menschen aus Fleisch und Blut zu.
Was wir hören, ist ein exzentrisches Spiel der Emotionen und Egoismen, keine steife Opera seria im Stil des Hochbarock mit einer Endlosschleife von Da-Capo-Arien, sondern ein musikalisiertes Schauspiel, in dem das recitar cantando, ein Deklamieren zwischen Rezitation und Singen, den Ton bestimmt. Der geht über das gewöhnliche Sprechen hinaus und verbleibt doch unterhalb des Gesangs.
Ausgangspunkt für den Dirigenten Stéphane Fuget ist nicht mehr der klassische Belcanto, nicht der «schöne», sondern der charakteristische Gesang, der sich nicht an die sklavische Wiedergabe der Noten hält, sondern das Wort über den Ton stellt. Und das in einer Radikalität, deren Konsequenz zunächst verblüfft, dann überzeugt und schließlich in ihrer Wirkung fast vier Stunden trägt, die das Stück hier in ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 32
von Uwe Schweikert
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow...
Gluck, so der Dirigent Ian Page im Booklet zu Ann Hallenbergs Recital, «ist einer der am meisten vernachlässigten und unterschätzten großen Komponisten, dessen Namen man häufiger in Büchern als in der Oper oder im Konzertsaal begegnet». Abseits der bekannteren Reformopern, muss man ergänzen, sogar so gut wie nie. Hallenbergs Gluck-Album ist ein Ereignis, weil es...
