In der Falle

Martinus «Julietta» aus der Oper Frankfurt

Opernwelt - Logo

 Der Siegeszug von Martinus ­«Juliette» auf deutschen, österreichischen und Schweizer Bühnen – mal abwarten, ob er anhält – ist verdient und überfällig. Dass nach der alten tschechischen Gesamtaufnahme unter Jaroslav Krombholc (aus den 1960er-Jahren) nun schon der zweite Mitschnitt der deutschsprachigen Fassung veröffentlicht wurde, ist freilich dem Ehrgeiz der produzierenden Häuser geschuldet. Das scheint umso kurioser, als eine Kompletteinspielung der französischen Originalfassung derzeit fehlt.

Gemessen an den unvorteilhaften Live-Bedingungen des Bregenzer Mitschnitts von 2002 (mit Eva-Maria Westbroek und Johannes Chum) hat die Frankfurter Oper aus ihrer Premieren-Serie im Juni und Juli 2015 (siehe OW 8/2015) ein vorzeigbares Tondokument destilliert. Sebastian Weigle interpretiert den magischen Symbolismus dieses Traumspiels als reinsten Ausdruck psychoanalytischer Neurosenlehre. Kristallin geschliffen, dabei nervös, zerfahren und hypersensibel präsentiert sich das Opern- und Museumsorchester – ein Klangkörper in Bestform.

Allerdings kommt uns bei dieser irrlichternden Bilderfolge nie in den Sinn, dass die Musik auch etwas mit der böhmisch-mährischen Tradition (nicht nur mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Verachtet mir die Laien nicht

Der berührendste Moment gelingt Regisseurin Vera Nemirova, als sie zu Beginn des dritten Akts Beckmesser ein imaginäres Orchester dirigieren lässt. Mutterseelenallein steht der Stadtschreiber vor dem Halbkreis aus Stühlen und Notenpulten und schwingt den Taktstock. Da träumt ein Außenseiter, der die Kunst liebt, aber leider völlig unbegabt ist, vom beglückenden...

Patchwork

Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte...

Infos

JUBILARE

Von 1937 bis 1944 erhielt Theo Adam im Dresdner Kreuzchor eine erste, intensive musikalische Ausbildung. Nach dem Abitur wurde er eingezogen und geriet als Soldat der Wehrmacht schließlich in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr arbeitete Adam ab 1946 in seiner Heimatstadt Dresden als Lehrer und nahm gleichzeitig Gesangsunterricht bei Rudolf...