Bilderrausch und Biedermeier

30 Jahre nach Robert Wilsons Geniestreich versuchen sich die Theater in Bielefeld und Gelsenkirchen an «Black Rider» von Tom Waits – mit höchst unterschiedlichem Gewinn

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Es liegt wohl nicht nur daran, dass eine der legendärsten Produktionen des Theatermagiers Robert Wilson vor genau 30 Jahren das Licht der Theaterwelt erblickte und deshalb gerade jetzt so häufig gespielt wird. Vielmehr kommt «Black Rider», Wilsons Adaption des «Gespensterbuchs» von Adolf Apel auf ein Libretto von William S. Burroughs mit der Musik von Tom Waits den derzeit herrschenden Corona-Hygiene-Regularien in vielfacher Hinsicht entgegen.

Nicht nur hat das bizarre Werk genuin eine starke Künstlichkeit, auch das Revuehafte der Abläufe ist derzeit ohne ästhetische Verluste zu realisieren, und die überschaubar besetzte Band passt gegenwärtig in jeden Graben. Diese günstigen Rahmenbedingungen haben derzeit mehrere Theater dankbar aufgenommen; allein in Nordrhein-Westfalen stand das Werk auf den Spielplänen von Neuss, dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und dem Theater Bielefeld.

Vergleicht man nur die Produktionen in Gelsenkirchen und Bielefeld, werden Probleme und Chancen dieses Stücks gleichermaßen evident. Nicht ohne Grund wird bis heute bei jeder Neuinszenierung im Programmheft die Formel «Regie und Stage Design der Originalproduktion von Robert Wilson» abgedruckt. Das ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Regine Müller

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