«Ich misstraue der Morgenstimmung»
Windschief. Ungeduldig hingefläzt. Die Schiebermütze in den Nacken gedrückt rutscht Krzysztof Warlikowski auf dem Regiestühlchen hin und her, von dem er sich zur Begrüßung nur ganz kurz, für ein sehr müdes Lächeln, erhoben hat. Sein Tag sei schlecht gewesen, entschuldigt er sich. Die Proben zum «Rake’s Progress» von Strawinsky, die er an der Berliner Staatsoper aufgenommen hat (in der Ausweichspielstätte im Schiller Theater), wurden kurzfristig für Beobachter gesperrt. Man befindet sich in einer kritischen Phase der Produktion.
Gut Kirschen essen ist mit dem Mann ohnehin nicht. Am Vorabend in Berlin (nach einer Vorstellung von «Un Tramway», der französischen Version von «Endstation Sehnsucht») hat er vor versammeltem Publikum der Hauptdarstellerin Isabelle Huppert das Mikrofon aus der Hand gerissen, um eine Journalistin für eine vermeintlich unverfrorene Frage abzukanzeln. Später rechtfertigt er sich und kokettiert mit allgemeiner Kommunikationsunfähigkeit. Ein erstaunliches Manko für einen Regisseur.
Als Reaktion darauf, dass sein Brüsseler «Macbeth» von «Opernwelt» zur Produktion des Jahres 2010 gewählt wurde, spitzt er nur maliziös und leicht angeekelt das Mündchen. Sind halt ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Kai Luehrs-Kaiser
«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...
Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...
Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die...
