Im Wärmestrom des Erlebten
Noten und Töne, die schriftliche Fixierung von Musik wie ihre klingende Realität im Dialog zwischen Interpret und Hörer, sind nicht identisch. «Weder enthält Geschriebenes je alles, was Musik ausmacht», schreibt George Steiner, «noch ist sie je ‹so und nicht anders›.» Musik, das «unterbrochene Schweigen» (Steiner), ist vielmehr immer anders. Keine Aufführung gleicht der andern. Das ist der Ausgangspunkt von Peter Gülkes neuestem, mit Blick auf das Phänomen «Interpretation» geschriebenem Buch.
Erneut nimmt er seine Leser mit auf eine Entdeckungsreise ins Innere der Musik, zu der er befähigt ist wie wenige – als Dirigent wie als Wissenschaftler, zwischen denen der glänzende Schriftsteller vermittelt. Der Tenor seines Buchs gilt der Erkenntnis, dass Musik «indem sie erklingt, zugleich verklingt». Was wir hören, ist unwiederholbar: «Keine Tonaufzeichnung kompensiert, dass musikeigenste Authentizität geopfert wird: Anrede, Mit-Teilung, im Hier und Jetzt des Erklingens vibrierende Einmaligkeit, nur hier sich ereignendes Auf-Du-und-Du.» Und klingt nicht selbst eine oft gehörte CD, also in der Tat identische Musik, im «Wärmestrom des Erlebten» jedes Mal anders?
Nach einleitenden ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 37
von Uwe Schweikert
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