Hoffnung gibt es keine
Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts sehnlicher als den eigenen Untergang. «Der Herr wird mich retten, nichts wird mir mangeln», singen sie vermutlich im Rückgriff auf den 23. Psalm «Der Herr ist mein Hirte».
Aber nicht an die «grüne Aue» und auch nicht an das «frische Wasser» dieser berühmten Trost-Verse denkt das Volk in diesem Moment, sondern an den Tod im Feuer. Nur hier, in den «reinigenden Flammen», werde man frei von der sündenreichen Last des irdischen Daseins, nur im Tod warte jenes Leben, das man sich auf Erden immer erträumt hat. Selten wurde die Enttäuschung von allem Weltlichen so hymnisch besungen wie am Ende von Modest Mussorgskis «Chowanschtschina».
Claus Guth, der das Stück nun an der Berliner Staatsoper inszeniert hat, scheut vor dem Bogen ins heutige Russland nicht zurück. Brutalität und Untergangslust, Machthunger und Todeskult, dabei das ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Clemens Haustein
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