Hoffnung gibt es keine
Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts sehnlicher als den eigenen Untergang. «Der Herr wird mich retten, nichts wird mir mangeln», singen sie vermutlich im Rückgriff auf den 23. Psalm «Der Herr ist mein Hirte».
Aber nicht an die «grüne Aue» und auch nicht an das «frische Wasser» dieser berühmten Trost-Verse denkt das Volk in diesem Moment, sondern an den Tod im Feuer. Nur hier, in den «reinigenden Flammen», werde man frei von der sündenreichen Last des irdischen Daseins, nur im Tod warte jenes Leben, das man sich auf Erden immer erträumt hat. Selten wurde die Enttäuschung von allem Weltlichen so hymnisch besungen wie am Ende von Modest Mussorgskis «Chowanschtschina».
Claus Guth, der das Stück nun an der Berliner Staatsoper inszeniert hat, scheut vor dem Bogen ins heutige Russland nicht zurück. Brutalität und Untergangslust, Machthunger und Todeskult, dabei das ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Clemens Haustein
Der Waldweg nach La Verna ist beschwerlich. 120 Kilometer nördlich von Assisi liegt die Einsiedelei, die der Graf Orlando dei Cattani einst dem Franz von Assisi als Rückzugsort anbot. Die heilige Ruhe dort sei geeignet für die Betrachtung Gottes. Als der heilige Franziskus den Berg besucht, empfängt ihn «eine große Schar Vögel unter fröhlichem Singen und...
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
Lieber Herr de Mallet Burgess – Cincinnati, Westaustralien, Neuseeland, nun Helsinki: Ihr Weg als Opernmanager liest sich sehr ungewöhnlich.
Stimmt, und er hat schon ungewöhnlich angefangen: Nach dem Studium in Oxford wollte ich Regie lernen, besonders in England bestand damals aber kaum die Möglichkeiten dazu. Also befolgte ich einen Ratschlag von Peter Brooks:...
