Im Stil der goldenen Zwanziger

Lehár: Die lustige Witwe im Pfalztheater Kaiserslautern

Opernwelt - Logo

Zum Entrée erklingt wildes Gehämmer. Als sich der Vorhang öffnet, ist der Bühnenaufbau noch voll im Gange: Kulissen werden gerückt, eine Wand droht umzufallen. Doch bereits die unfertige Bühne zeigt, wohin die Reise geht: roter Plüsch, soweit das Auge reicht, Samttapeten, Kristallleuchter, Federdiademe. Regisseur François de Carpentries und sein Bühnenbildner Thomas Dörfler verlegen Franz Léhars Operette «Die lustige Witwe» in die Zeit der 1920er-Jahre.

Die Titelheldin, gesungen von Elena Fink, erscheint als Marlene-Dietrich-Verschnitt, platinblond, mit schwarzem Hosenanzug und Zylinder. Wie im Film «Der blaue Engel» posiert sie von Männern umschwirrt mit übereinandergeschlagenen Beinen an der Rampe.

Grundsätzlich wäre der frech-innovative Zeitgeist der «Goldenen Zwanziger» geeignet, dem Operettenklassiker frischen Charme und Esprit einzuhauchen. Doch von der kreativen Aufbruchstimmung jener Ära ist in Kaiserslautern wenig zu spüren. Interieur und ebenso die historisierenden, mit Goldstickereien, Kordeln und Pailletten versehenen Kostüme (Karine Van Hercke) wirken reichlich antiquiert. Auch die Regie zeigt wenig Interesse an einer zeitgemäßen Neuausdeutung. Die Handlung wird eins ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Avanti, Signor Gaetano!

Selbst den alten Wagner hat es schon erwischt, wenn auch fast ein halbes Jahrhundert nach Nikolaus Harnoncourts Revolution in der Vorklassik: «Historisch informiert», diese (inhaltlich sehr dehnbare) Deutungspraxis, dringt immer weiter vor ins 19. Jahrhundert. Davon weitgehend unbeleckt, abgesehen von Vorstößen etwa eines Giovanni Antonini, ist der Belcanto....

In der Rumpelkammer des Glücks

Bereits im Vorwort seines berührenden Buches aus dem Jahr 2007 stellt Alexander Kluge klar, dass es ihm bei den 120 «Geschichten vom Kino» um das «Prinzip Kino» gehe, also um den erweiterten Begriff der Kunstgattung. Er halte dieses «Kino», schreibt Kluge, «für unsterblich und für älter als die Filmkunst», weil es auf einem zeitlosen Prinzip beruhe – darauf...

Wahrhaft königlich

Die Vorliebe der Barockoper für hohe Stimmen spiegelt sich auch in der inzwischen schier unüberschaubaren Menge an Solo-Recitals auf CDs wieder. Da begegnen uns vor allem Falsettisten und Soprane, nach Tenören, Bässen, gar Baritonstimmen hält man vergeblich Ausschau. Dies entspricht freilich nur der Rollenhierarchie der metastasianischen Seria, in der Kastraten und...