Im Sinne des Meisters
Der Mensch neigt bekanntlich dazu, das Glas als halbleer zu betrachten. Er sehnt sich nach dem, was er nicht hat, nicht haben kann und vielleicht auch niemals haben wird. Opernfreunden geht es da nicht anders. Sie trauern um die vielen verlorenen Werke aus der frühen Zeit des Musiktheaters, ganz besonders um die aus der Feder Claudio Monteverdis. Dabei weiß gerade im Fall des genialen Italieners niemand, ob das Glas halb voll oder halb leer ist.
Drei seiner Opern sind bekanntlich erhalten geblieben: «L’Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in patria» und «L’incoronazione di Poppea». Wie viele verschollen sind, weiß niemand. Sicher ist nur, dass der Barockkomponist zwei weitere Opern in Noten gesetzt hat: «L’Arianna» für den Hof von Mantua und «Le nozze di Enea con Lavinia» für ein Theater in Venedig. Die Zahl 20, die immer wieder genannt wird, darf getrost ins Reich der Legende verwiesen werden: Diese Statistik enthält kleinere Bühnenwerke, die keine Opern im heutigen Sinne waren, sondern Zwischenspiele und kleinere Ballette.
Als besonders tragisch empfinden viele Liebhaber Monteverdis den Verlust der legendären «Arianna», die 1608 – ein Jahr nach dem «Orfeo» – anlässlich der Hochzeit des ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Thomas Schmoll
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Eine Märchenoper über zwei Kinder, die es allein in der Fremde mit dem Bösen aufnehmen? Na klar: Humperdincks «Hänsel und Gretel»! Aber inzwischen gibt es auch zahlreiche Versionen der «Schneekönigin». Von Esther Hilsberg oder Daan Manneke, von Sergej Banewitsch oder Pierangelo Valtinoni zum Beispiel. Marius Felix Lange arbeitet derzeit an einem neuen Stück, das...
