Im Schatten des Vaters

Rückt Siegfried Wagner wieder ins Rampenlicht? «Der Kobold» am Stadttheater Fürth sowie Erstaufnahmen seiner Opern auf CD

Opernwelt - Logo

Zwischen 1899 – da war Siegfried Wagner bereits dreißig Jahre alt – und seinem Tod im Jahr 1930 hat der einzige Sohn Richard Wagners vierzehn abendfüllende Opern vollendet, zwei im Particell hinterlassen und von zweien nur den Text fertiggestellt. Daneben wirkte er auf ausgedehnten Konzertreisen als Dirigent, inszenierte im Sommer in Bayreuth und leitete oft das Festspielorches­ter, von der Gesamtverantwortung für die Festspiele ab dem Jahr 1908 ganz abgesehen.

Damit ist sein musiktheatralisches Schaffen quantitativ größer als das seines Vaters Richard – entstanden in einem weitaus geringeren Zeitraum. Aber selbst einzelne Werke sind mit dessen Œuvre kaum zu vergleichen. Schon deshalb, weil der Sohn keineswegs ein Epigone des hochverehrten Vaters war.
Nur drei Märchen-Opern («Der Bä­renhäuter», «An allem ist Hütchen schuld» und «Das Flüchlein, das jeder mitbekam») hat Siegfried komponiert, auch wenn fast alle Titel dergleichen vermuten lassen. Seine anderthalb Dutzend Werke für das Musik­theater decken ein großes Spektrum (nicht nur) deutscher Geschichte ab und sind vielfach autobiografisch verortet, wie Bernd Schünemann im 2003 erschienenen Bericht des ersten Internationalen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Scheite am Main

26. April 1986: Im Reaktorblock nahe der russischen Stadt Tschernobyl ereignet sich der Unfall, der angeblich niemals passieren sollte. Durch eine Kernschmelze wird Strahlung in hoher Menge freigesetzt, verseuchte Wolken ziehen über Russland bis nach Süddeutschland und weiter. Während seiner Inszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» 1981-1986 am Krefelder...

Lieber stilistische Vielfalt als puristische Einfalt

Schön war er beileibe nicht, wenn man der von der Fondazione Giorgio Cini in Venedig aufbewahrten Zeichnung von Marco Ricci glaubt: Ein großer Körper mit zu kleinem Kopf, fettleibig und froschgesichtig, posiert er mit Helm und Federbusch. Der Alt-Kastrat Francesco Bernardi (ca.1680-1759), der sich nach seiner Geburtsstadt Siena «Senesino» nannte, war neben seinem...

Tschaikowsky: Pique Dame

Schon zwei Wochen bevor der neue Generalmusik­direktor der Frankfurter Oper bekannt gegeben wurde, zeigte das Orchester eindeutig, wen es auf diesem Pos­ten sehen will: Für Sebastian Weigle legten sich die Musiker bei der Premiere der «Pique Dame» mächtig ins Zeug und produzierten einen satten Tschaikowsky-­Sound der Spitzenklasse – eine klare Abstimmung mit den...