Im Klassenzimmer
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des Uraufführungsjahres 1711 etwa, interessiert er sich nicht. Gideon Davey, Carsens Bühnenbildner, lässt in Glyndebourne die Geschehnisse in einem heutig anmutenden englischen Klassenzimmer samt Schulbänken und Tafel stattfinden.
Die Kreuzfahrer tragen Sakkos und graue Hosen, rüsten sich jedoch für ihre Schlachten mit Brustpanzer und glänzenden Helmen. Die von Anett Fritsch so beweglich verkörperte wie bezaubernd gesungene Almirena ist zunächst nur als Pin-up-Girl an Rinaldos Pult präsent. Als Rinaldo durch ein Gerangel abgelenkt wird, gerät die Handlung durcheinander; andere Jungs reißen das Foto von Almirena an sich und pressen es sich obszön in den Schritt, während Goffredo, Armida und Argante in Lehrerkluft, mit Doktorhut eintreten. Carsen inszeniert durchaus mit Liebe zum erzählerischen Detail, doch gerät der Erzählfluss ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Uwe Schweikert
Er muss ein verrückter Vogel gewesen sein, der Kontrabass-Virtuose, Dirigent und Komponist Giovanni Bottesini (1821–1889), der auf seinem Instrument schon in jungen Jahren mit dem Geiger Paganini verglichen wurde und bei seinen Auftritten ein ebensolches Fieber hervorrief wie dieser oder zeitgleich Liszt als Pianist. Unermüdlich reiste er durch die halbe Welt,...
Das Glück steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ein wenig erschöpft, strahlend, ins Gespräch mit Freunden vertieft, schlendert Markus Hinterhäuser durch die Altstadt zur Salzach hinunter, hinüber zum Platzl auf der anderen Seite des Flusses. Nicht weit von hier, am Mozarteum, hat er studiert. Salzburg ist seine Stadt. Seit 1993 arbeitet er nun für die Festspiele, wenn...
Normalerweise beginnt Wagners «Ring» damit, dass drei mehr oder weniger gut gebaute Damen in den Tiefen des Rheins einen Zwerg anmachen und sofort wieder abstoßen. Seit Patrice Chéreaus Deutung ist der Rhein oft vertrocknet oder einfach ein Bordell, was schade ist, aber der Musik nicht widerspricht. Wagner hat zwar die Entstehung des Lebens vom Nullpunkt (dem...
