Im Klassenzimmer
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des Uraufführungsjahres 1711 etwa, interessiert er sich nicht. Gideon Davey, Carsens Bühnenbildner, lässt in Glyndebourne die Geschehnisse in einem heutig anmutenden englischen Klassenzimmer samt Schulbänken und Tafel stattfinden.
Die Kreuzfahrer tragen Sakkos und graue Hosen, rüsten sich jedoch für ihre Schlachten mit Brustpanzer und glänzenden Helmen. Die von Anett Fritsch so beweglich verkörperte wie bezaubernd gesungene Almirena ist zunächst nur als Pin-up-Girl an Rinaldos Pult präsent. Als Rinaldo durch ein Gerangel abgelenkt wird, gerät die Handlung durcheinander; andere Jungs reißen das Foto von Almirena an sich und pressen es sich obszön in den Schritt, während Goffredo, Armida und Argante in Lehrerkluft, mit Doktorhut eintreten. Carsen inszeniert durchaus mit Liebe zum erzählerischen Detail, doch gerät der Erzählfluss ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Uwe Schweikert
Wie jeden Sommer machte in Siena auch in diesem Jahr vor allem der «Palio» die Musik, ein Pferderennen mitten in der Stadt, auf der Piazza del Campo. Mit beeindruckenden Sieges- und Schmähgesängen feierten die Bewohner des Stadtteils Nobile Contrada dell’Oca (zu deutsch: das Viertel der Gans) den Triumph «ihres» Jockeys Giovanni Atzeni und seines Hengstes...
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
1. Biete Karte
Auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung, die mir meine aufmerksamen Wirtsleute jeden Tag neben das Frühstücksei legten, damit ich über Wagner der Welt nicht abhanden komme – im «Nordbayerischen Kurier» also –, fand sich am 30. Juli das Foto eines Menschen in einem grässlichen, rot karierten Hemd und mit einem gelben Schild um den Hals: «2 x...
