Im ewigen Frühling
Olivier Messiaens drei Liederzyklen sind selten zu hören und gehören alle zum Frühwerk, das vor seiner Wende zum Serialismus entstand. Er verabschiedete sich dabei von Einflüssen des Impressionismus und des Neoklassizismus und fand zu einer ganz eigenen musikalischen Sprache. Zwei der Zyklen hat die kanadische Sopranistin Barbara Hannigan, die ihre künstlerischen Aktivitäten inzwischen mehr und mehr aufs Dirigieren verlegt, jetzt gemeinsam mit ihrem neuen Klavierpartner Bertrand Chamayou aufgenommen.
Messiaen verfasste die Liedtexte selbst, in einer bilderreichen, an den Surrealismus ebenso wie an die Bibel angelehnten Sprache kreisen sie um die Menschen- und Gottes-Liebe. Trotz ihres hohen religiösen Tons thematisieren sie sehr irdische Szenen einer Ehe.
Der 1936 entstandene Zyklus «Poèmes pour Mi» signalisiert dies bereits im Titel. «Mi» war der Kosename von Messiaens erster Frau, der Geigerin und Komponistin Claire Delbos, die auch im zwei Jahre später komponierten Zyklus «Chant de terre et de ciel» zusammen mit dem 1937 geborenen Sohn Pascal angesprochen wird. Eigenwillig ist aber nicht nur die gleichermaßen sinnlich-erotische wie meditativ-spirituelle Metaphorik dieser ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 32
von Uwe Schweiker
Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die...
Lazarus, come forth!» Kurz zuvor rauschte noch das Tamtam bedrohlich auf als düsteres Todessymbol, nun scheint der Boden zu erzittern: Tremolierende Kontrabässe und gestopfte Hörner lassen einen ungeheuren, gleichwohl noch fernen Wind brausen. Der Menge steht darob der Mund offen: Der Chor singt ohne Text und dreht die Spannungsschraube noch einmal weiter, wenn die...
Liebe Frau Baumgartner, können wir über Träume reden?
Ja, klar, auf jeden Fall.
Schön. Träumen Sie manchmal in Farbe?
Ich glaube, ich träume immer in Farbe. Ich habe Farben in meinen Träumen nie vermisst, das wäre mir aufgefallen; demnach müssen sie ja wohl vorhanden sein.
Vermissen Sie irgendwelche Farben?
Ich folge meist einem inneren Gefühl; das dockt irgendwo...
