«Ich will das Außergewöhnliche. Immer!»

Er brennt für die Musik, seit mehr als einem halben Jahrhundert. 120 verschiedene Opern hat Will Humburg dirigiert, vom Barock bis zum zeitgenössischen Repertoire, und das stets mit dem Willen zur Perfektion. Ein Gespräch über Macht und Ohnmacht, seine Liebe zu Verdi, renitente Orchestermusiker und italienische Verhältnisse

 Lieber Herr Humburg, Sie haben in Ihrem bisherigen Leben mehr als 120 Bühnenwerke aus allen Epochen dirigiert. Sind Sie nicht langsam ein bisschen müde?
Nein, wenn es Stücke sind, für die ich nach wie vor brenne, könnte ich jedes davon morgen noch einmal machen. Und in den letzten Jahren hatte ich insbesondere in Deutschland, wo wir die größte Dichte an Theatern und Orchestern haben und deswegen Kandidat für das Weltkulturerbe sind, das Gefühl, dass es darum geht, dieses Erbe nicht nur zu erhalten, sondern noch zu fördern.

(Leider schwindet dieser Eindruck derzeit in der Corona-Krise deutlich.) Ganz grundsätzlich baut die deutsche Kulturlandschaft auch auf dem auf, was man gemeinhin Routine nennt. Inzwischen hat der Begriff leider einen negativen Beigeschmack. Und ist beinahe schon ein Schimpfwort, vor allem wenn man ihn im Zusammenhang mit Dirigenten und Regisseuren erwähnt.

Und wie ist es für die Musiker?
Für einen Orchestermusiker bedeutet Routine meiner Meinung nach entschieden einen Vorzug, eine Art Erfahrungsplus. Gute Orchester, und davon gibt es hier, in der Mitte Europas, ja eine ganze Menge, spielen ein normales Repertoirestück heute schon bei der ersten Orchesterprobe ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jürgen Otten

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