«Ich will das Außergewöhnliche. Immer!»
Lieber Herr Humburg, Sie haben in Ihrem bisherigen Leben mehr als 120 Bühnenwerke aus allen Epochen dirigiert. Sind Sie nicht langsam ein bisschen müde?
Nein, wenn es Stücke sind, für die ich nach wie vor brenne, könnte ich jedes davon morgen noch einmal machen. Und in den letzten Jahren hatte ich insbesondere in Deutschland, wo wir die größte Dichte an Theatern und Orchestern haben und deswegen Kandidat für das Weltkulturerbe sind, das Gefühl, dass es darum geht, dieses Erbe nicht nur zu erhalten, sondern noch zu fördern.
(Leider schwindet dieser Eindruck derzeit in der Corona-Krise deutlich.) Ganz grundsätzlich baut die deutsche Kulturlandschaft auch auf dem auf, was man gemeinhin Routine nennt. Inzwischen hat der Begriff leider einen negativen Beigeschmack. Und ist beinahe schon ein Schimpfwort, vor allem wenn man ihn im Zusammenhang mit Dirigenten und Regisseuren erwähnt.
Und wie ist es für die Musiker?
Für einen Orchestermusiker bedeutet Routine meiner Meinung nach entschieden einen Vorzug, eine Art Erfahrungsplus. Gute Orchester, und davon gibt es hier, in der Mitte Europas, ja eine ganze Menge, spielen ein normales Repertoirestück heute schon bei der ersten Orchesterprobe ...
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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jürgen Otten
Eine Oper? Ein Oratorium? Schwer zu sagen. Händels «Semele» ist beides und beides irgendwie auch nicht. Die Schubladen sind zu schmal, um diese erste abendfüllende Oper in englischer Sprache hineinzuzwängen. Ganz bewusst entschied sich der Komponist, als er das Werk 1743 aufs Papier warf, für eine Synthese aus gleich mehreren Gattungen, die dem damaligen...
62. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752340
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Drei Revolutionen, 1789, 1830 und 1848, fegten sie hinweg, und jeweils zehn bis 15 Jahre später kam sie wieder: André Ernest Modeste Grétrys 1784 uraufgeführte Opéra-comique «Richard Cœur de lion». Der junge Berlioz erlebte sie zusammen mit anderen Werken aus der bon vieux temps im restaurativen Paris der 1820er-Jahre und hielt ihr unverbrüchlich die Treue: 1837...
