«Ich war immer skeptisch»
Herr Sawallisch, Ihr Bühnenabschied liegt sieben Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?
Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der das Haus, glaube ich, heute noch zehren kann. Kent Nagano, der mich hier in Grassau des Öfteren besucht hat, sagte, er bräuchte bei Wagner eigentlich nicht viel zu machen.
Er müsse nur den Taktstock heben, und die Sache läuft.
Verfolgen Sie die Arbeit der Bayerischen Staatsoper noch?
Ich habe seit meinem Bühnenabschied keine Vorstellung mehr besucht. Den neuen Generalmusikdirektor Kirill Petrenko kenne ich nur dem Namen nach. Das ist der Nachteil meines Wohnorts hier im Chiemgau. Ich kann nicht mehr ohne Weiteres zurück.
Einige Ihrer Schallplatten sind Meilensteine, wie es sie wohl nie wieder so gut geben wird...
Sie meinen Capriccio?! Das ist die einzige meiner Aufnahmen, die ich mir freiwillig anhöre.
Ich meine auch Intermezzo mit Lucia Popp und Die Frau ohne Schatten mit Cheryl Studer.
Bei Schallplatten-Aufnahmen, so ist ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Interview, Seite 30
von Kai Luehrs-Kaiser
Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll,...
Claude Viviers Musik ist vertraut und fremd, beruhigend und verstörend. In seiner 1978/79 komponierten, etwa 70-minütigen Oper Kopernikus treffen schwebende, tonale Klangflächen auf glissandierende Solostimmen, kantable Phrasen auf kindliches Gebrabbel, impulsive Attacken auf meditative Nachklänge. Viviers musikalische Erfahrungen auf einer langen Ostasienreise...
Der dunkle Bruder des Ruhms ist das Vergessen. Josef Myslivecek, zu Lebzeiten in Italien als «il boemo» verehrt, angereichert gelegentlich sogar durch das Epitheton «divino», geriet nach seinem Ableben (1781 in Rom) sehr schnell in den Schatten Mozarts. Die Musikgeschichte verbog sich sogar zum Gerücht, er hätte beim Salzburger Genie abgekupfert. Dabei war’s eher...
