Hysterie und Mechanik
Während Adam im Hotel «Eden» dem Auftrag nachkommt, fruchtbar zu sein, und Eva die Empfängnis mit glücklich-gluckernden Koloraturen quittiert, erklingt im Hintergrund die Choralzeile: «Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet». Dass sein Stand weder sichtbar noch gesegnet ist, ärgert den zuschauenden Luzifer. Er hat nämlich kein Geschlechtsteil, würde aber auch gern zeugen können und hätte seine Vermehrung bei anderer Ausstattung mit Lilith – Adams erster, geflohener Frau – längst ins Werk gesetzt.
Dass sie, wie eine rabbinische Legende berichtet, die Missionarsstellung unter Adam nicht mochte, hätte Luzifer nicht gestört. Er wäre auch unter weiblicher Obliegenheit zum Ziel gekommen.
Die Zote, zu der Peter Eötvös als Komponist gemeinsam mit seinen Librettisten Albert Ostermaier und Mari Mezei hier Zuflucht nimmt und die von Helen Malkowsky in Chemnitz auch werkgetreu in Szene gesetzt wird, rettet seine Kunst. Denn billig und abgestanden geriete die Kritik an der Kirche und deren Bemühen, Sexualität allein der Fortpflanzung unterzuordnen, ginge Eötvös hier mit Furor und Pathos zu Werke. Nur als Witz lässt sich «Paradise Reloaded (Lilith)», diese Oper, die beim Festival ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Jan Brachmann
«Darf ich das signieren?» Was für eine Frage. Aber natürlich. Wir bitten sogar darum. Wer weiß, wann wir Margarita Marinova noch mal treffen. In ihrem «Archiv», einem winzigen, über und über mit Aufführungsplakaten dekorierten Raum im zweiten Stockwerk des Plattenbaus gleich hinter der Oper. Einem unwirtlichen Kasten mit blinden Fenstern, verzogenen Türen und...
Ein musikalischer Senkrechtstarter! Darüber war man sich 1964 in Budapest bei der Uraufführung von Sándor Szokolays «Bluthochzeit» («Vérnász») einig. In Ungarn wurde das Werk in der Tat alsbald zum Repertoirestück, brachte es allein in den ersten fünf Jahren auf mehr als 50 Reprisen. Aber der Höhenflug dieser ersten Oper des jungen Komponisten beschränkte sich auf...
Wenn das so weitergeht, dürfte er irgendwann die Gestik ganz einstellen. Ein aufmunternder Blick, ein Handgelenksschlenker, im Ernstfall eine hochgezogene Augenbraue, das könnte dann reichen. Immer sparsamer wirkt das, was Christian Thielemann auf dem Podium macht: Die Verklärung des Handwerks hat bei ihm schon jetzt eine sehr entscheidende, sehr sichtbare Stufe...
