Hymnen an die Schönheit
Die Eröffnung eines Festivals setzt vor allem Zeichen für die Zukunft. Und da zählen auch die kleinen Gesten. Sie erzählen von Visionen, deuten dramaturgische Linien an. Dies gilt insbesondere immer dann, wenn, wie im selbst Mitte September noch sommerlichen Venedig, ein Leitungswechsel vollzogen wird. Lucia Ronchetti heißt die neue Chefin der Biennale Musica.
Und die italienische Komponistin lässt ihre persönliche Premiere des Neue-Musik-Festivals bewusst nicht in den abgelegenen alternativen Spielstätten des Arsenale-Geländes vom Stapel laufen, wo in den Folgetagen dann so manche experimentelle Sound-Installation und so manches die Gattungsgrenzen transzendierende Projekt stattfinden wird – und wo die Architekturbiennale ihr Zuhause hat, was erfreuliche Publikumsvermischungen zeitigt.
Nein, die Premiere der 65. Festivalausgabe findet im Teatro La Fenice statt, diesem legendären Opernhaus, an dem einst Giuseppe Verdi wichtige Uraufführungen wagte und wo heute jene die Serenissima längst wieder flutenden Touristenströme einen großen Anteil der Besucher bilden. Da sitzt nun auch gar kein Neue-Musik-Ensemble auf der Bühne, sondern das Orchester des Fenice. Und das erste Werk ist gar ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Peter Krause
Wir stehen wieder im Stau, diesmal auf der A59 mitten durch Duisburg. Seltsam, wie gleißend die Sonne noch im September sein kann. Der Binnenhafen mit seinen Lagerhallen und Fahrkränen liegt unter einer weißen Dunstglocke, hinter uns der Ort der Katastrophe bei der Loveparade von 2010, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, ein tragischer Schnitt...
Diese grandiose Groteske, die György Ligeti nach der Vorlage des flämischen Dramatikers Michel de Ghelderode schuf, lässt offen, wer in diesem absurden Theater nun wirklich der personifizierte Tod des Werktitels ist. Ein charismatischer Gaukler, der all den schrägen Gestalten des heruntergekommenen imaginativen Breughel-Lands einen höllischen Schrecken einjagen...
Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte...
