Beklemmend
Wolken ziehen vorüber. Eine düster lastende Atmosphäre herrscht in diesem Schwarz-Weiß-Melodram. Dafür sorgen nicht nur die an Texteinblendungen alter Stummfilme erinnernden Videosequenzen, mit denen jedes Kapitel der lyrischen Szenen auf dem Bühnenprospekt eingeleitet wird. Ein klassisches Chiaroscuro ist auch die Setzung der Kostüme: unschuldiges Weiß für die jungen Geschöpfe Tatjana und Olga, bleiern beschwertes Schwarz für jene in der Provinz Sitzengelassenen, für Mutter Larina und die zur Kinderehe gezwungene Nanja Filipjewna.
«Gewöhnung als Ersatz für Glück», singen sie. Zu ihren Gewohnheiten gehört offensichtlich das Stricken. Dicht verfilzt vom Bühnenhimmel herabhängend, setzen sie einen allzu stickigen Rahmen, gelegentlich mit ausfransenden Blicken ins Freie, wo lediglich ein grauer Himmel dräut. Was am Anfang wie ein düsterer Märchenwald wirkt, entpuppt sich als Bild für den Seelenzustand der um ihr Lebensglück betrogenen Frauen.
Die traumwandlerisch-treffsichere Bühneninstallation von Nicola Turner ist mehr als die halbe Miete der Inszenierung von Olivia Fuchs. In diesem beklemmenden Raum wird jede Möglichkeit zur Flucht genutzt. Und genau darin besteht der Irrtum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Bernd Künzig
PERSONALIEN | MELDUNGEN
JUBILARE
Am 10. Juli feiert die Sopranistin Helen Donath ihren 85. Geburtstag. Die US-Amerikanerin absolvierte eine Gesangsausbildung in ihrer Heimat Texas und in New York, 1961 wurde sie Mitglied des Opernstudios der Oper Köln und trat als Wellgunde auf in Wagners «Rheingold» unter Wolfgang Sawallisch und in der Regie von Wieland Wagner....
Bald lautet das Motto fürs Kasseler Opernhaus «Und nu ist zu!». Es wird saniert, mehrere Jahre lang. Musiktheater gibt es in der Ausweichspielstätte mit dem passend-schönen Namen «Interim». Mal abwarten, ob das Ganze keine Dauerlösung wird ...
Indes war es konsequent, mit der letzten Premiere im baufälligen Haus Julia Lwowski zu beauftragen, die sich schon oft als...
Schlägt man das Kapitel zu Anna Netrebko in Jürgen Kestings Monumentalwerk «Die großen Sänger» auf, so spürt man sofort, dass den Autor die Kunst in ihrer ganzen Welthaltigkeit interessiert: als Ware, als Medienphänomen und als Gegenstand eminenter Eigenbedeutsamkeit.
Kesting zitiert dort Rudolf Gröger, den damaligen CEO des Mobilfunkunternehmens O2, mit der...
