Hosen runter
Die Rasur des Hauptmanns fällt aus. Er kauert auf einem ausgestopften Pferd, das gerade zum Sprung ansetzt. Von Wozzeck rasiert werden hier ein paar in Reih und Glied aufgestellte Gardisten, und zwar unterhalb der Gürtellinie: Einem nach dem anderen stutzt er das Haar am Gemächt. Hinten zieht ausgelassenes Volk vorbei, Fähnchen schwenkend, zum Frohsinn entschlossen. Die erste Szene spielt in einem leeren Saal mit hohen Fenstern. Der Bühnenbildner Erlend Birkeland hat ihn, wie Regisseur Ole Anders Tandberg im Programmheft verrät, einem beliebten Ausflugslokal in Oslo nachempfunden.
Später wird in diesem Raum auch der Doktor experimentieren, mit blutenden Präparaten in Petrischalen. Und dort spreizt sich auch der Tambourmajor für eine adrett zugeknöpfte Bürger-Marie.
Überhaupt sind wir nicht bei «arme Leut’» im neuen «Wozzeck» an der Deutschen Oper Berlin. Es geht eher gutbürgerlich zu, mitunter grell aufgeraut zwar und surreal verfremdet, aber doch wohlsituiert. Die 15 Szenen nach Büchners Dramenfragment schnurren bei Tandberg nämlich am norwegischen Nationalfeiertag ab. Weil da so viele alte Uniformen spazieren gehen, das Bier durch die Kehlen läuft und alle ein bisschen die Sau ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Albrecht Thiemann
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