An der Kitschgrenze
«L’Ȃge mûr» («Das reife Alter») heißt eine der bekanntesten Plastiken von Camille Claudel. Sie zeigt eine junge Frau, die flehentlich nach der Hand eines davoneilenden Mannes greift, den eine alte Frau mit sich zieht. Die Bildhauerin spiegelte darin eine Ursituation ihres Lebens: die dauerhaft aussichtslose Liebe zu ihrem 24 Jahre älteren Lehrer und zeitweisen Geliebten Auguste Rodin. Dass Rodin sich letztlich gegen sie entschied, gehörte zum tragischen Verlauf eines Lebens, dessen letzte 30 Jahre Claudel in der Nervenheilanstalt von Montdevergues verbrachte.
Mit stark biografischen Parallelen zwischen Leben und Werk konzipierten der Komponist Jake Heggie und Librettist Gene Scheer den Zyklus «Camille Claudel: Into the Fire» für Stimme und Streichquartett, den Joyce DiDonato bereits 2012 uraufgeführt hat. Nun liegt der Mitschnitt einer Aufführung aus dem vergangenen Jahr in der Wigmore Hall vor, nachdem zu Jahresbeginn bereits die Oper «Great Scott» erschienen war, die Heggie ebenfalls für DiDonato geschrieben hat.
In seinem subtil instrumentierten Liederzyklus greift der amerikanische Komponist geschickt die musikalische Atmosphäre des «impressionistischen» Zeitalters auf, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Michael Stallknecht
Am 28. Oktober 1918 wurde die unabhängige Tschechoslowakische Republik proklamiert – der diesjährige Herbst bringt deshalb in Prag so einige staatstragende Festivitäten mit sich. Zur Neuproduktion des «Fidelio» im klassizistischen Ständetheater erinnerte ein alter Theaterzettel im Programmheft daran, dass Beethovens Oper weiland in Anwesenheit des neuen...
Mit diesem Werk wagte Suppé 1885 noch einmal den Sprung zurück ins Operngenre und zugleich in seine dalmatinische Heimat. «Il Ritorno del Marinaio» spielt auf der Insel Hvar, damals Lisina, und es lag bestimmt am lokalen Kolorit, dass der im Spoleto genannten Split geborene und dort aufgewachsene Operettenfürst nach diesem Stoff griff. Am Libretto jedenfalls lag...
Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld...
