Horror und Erhabenheit
Es gibt Festivals, bei denen sich alles um den Rausch der Sinne dreht, aber auch solche, die eine intellektuelle Programmatik verfolgen. Das Bard SummerScape Festival zum Beispiel – es findet auf dem Campus des Bard College in Annandale, New York, statt – zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Spielpläne nicht zuletzt um Fragen des musikwissenschaftlichen Diskurses kreisen. Vor diesem Hintergrund ist «Genoveva», Robert Schumanns einzige Oper und zugleich jenes Opus, an dem er so lange arbeitete wie an keiner anderen seiner Kompositionen, zweifellos eine höchst plausible Wahl.
Handelt es sich doch um das vernachlässigte Werk eines Meisters. Doch ist es auch ein Meisterwerk?
Obwohl sich immer wieder große Musiker für das Stück einsetzten (Franz Liszt, Kurt Masur, Nikolaus Harnoncourt), bleibt «Genoveva» ein Problemfall. Das Libretto erzählt von weiblicher Tugend, die in den Schlamm gezogen und wiederhergestellt wird, doch lässt das späte, die sadistischen Bedrängungen der Heldin sozusagen mit einem Federstrich aufhebende Happy End einen bitteren Nachgeschmack.
Im Rahmen des Bard Festivals, so schien es, wusste nun Kopenhagens Opernchef Kasper Bech Holten diese ...
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Die Akzeptanz des Unwahrscheinlichen, des Märchenhaften war stets ein bezeichnendes Merkmal der Oper. Nicht nur, weil der Aficionado es unter anderem goutiert, dass ein gestandener Embonpoint als Jung-Siegfried oder eine Matrone als zartes Mädchen Pamina sich geriert. Sondern weil insgesamt Märchen, Sagen, Legenden das Arsenal des Genres bilden, wie es sich auch in...
